Flügelverleih meets Hattie

22. November 2014

Vom Autopädakt bis zu den Hausaufgabenheften

Abgelegt unter: Faust-Eltern-Beratung — heinz.bayer @ 21:39

Ja klar kann ich das machen. Einige von euch wollten den alten Autopädakten einsehen. In digitalen Zeiten ist es ja verrückterweise nicht mehr schwer, seine alten handgeschriebenen Zeilen auf pdf-Format zu pressen. Hier also die erste Grundlage für das, aus dem später dann das Fach „Grundbildung“ wurde.
Ihr müsst zum Download allerdings auf www.faust-verleiht-flugel.de gehen und dort auf “Die Otto Kraz Story”. Hier im Blog bekomme ich die großen Dateien irgendwie nicht hochgeladen.

Grundbildung.

Der Autopädakt war der Startschuss für ein neues Fach.
Das Fach, das ich vor 20 Jahren unterrichtet habe, zusammen mit Gisa und Sabine, einer Ärztin und einer Journalistin. Also damals natürlich noch in Gestalt von Oberstufenschülerinnen, die aber schon ihre spätere Profession durchscheinen lassen konnten. Sie waren sehr interessierte Mitleserinnen dieses wachsenden Buches für meine Töchter und damit für mich sehr wichtige Beraterinnen. Quasi Zeitzeugen aus dem Inneren des jugendlichen Gefühls für Lebens-Situationen. Am Ende entstand durch die vielen Gespräche über das Leben und die eigentlichen Erfordernisse, um Schule lässig machen zu können, die Idee, ein neues Fach zu entwerfen. Grundbildung. Wir hatten die verrückte Idee, Fünftklässlern eine Ausbildung zukommen zu lassen, die es ihnen ermöglichen sollte, aufrecht durch die Schule zu gehen, am Ende aufrecht herauszukommen und dabei auch noch einen guten Job als Schüler/in zu machen. Und wir haben es beantragt. Drei Stunden Grundbildung, dafür eine Stunde weniger Englisch, eine Stunde weniger Deutsch und eine Stunde weniger Musik. Und ich war kein Fachlehrer, nur Klassen- und Grundbildungslehrer. Wir hatten für Grundbildung sogar eine eigene Zeugnisrubrik erhalten und unsere ersten eigenen Beratungszeugnisse geschrieben. Alles Neuland vor 20 Jahren und sehr spannend. Und unglaublich toll, dass wir das damals vom Chef genehmigt bekamen. Hätte ja auch voll in die Hose gehen können.
Ging aber nicht. Als ich 8 Jahre später beim Abitur nachgerechnet habe, hatten unsere Grundbildungsleute eine Abischnitt von 1,9 und der Rest der Stufe von 2,5.
Wir haben gut gefeiert.
Ja, ja, ich weiß. Keine echte Beweisführung. Nicht wissenschaftlich belegt. Einzelfall. Nur einmal bei einer Klasse durchgeführt. Die These: Mach die Leute maximal fit, damit sie durch die wunderbaren Wirren der Pubertät wunderbar durchkommen, um danach richtig Gas geben zu können. In diesem Jahr Grundbildung entstand die erste pädagogische Bilderflut des Heinz Eugen B.
Die Idee: Bilder prägen sich ein, wenn man sie positiv abspeichern kann. Der schnelle Blick darauf erinnert, ohne dass man was dafür tun muss. Alles keine Wissenschaftlichkeit. Nur eigene Erfahrung. Bauchgefühle. Wir hatten viel ausprobiert, diskutiert ernst genommen, zugehört, gefilmt, geschrieben, Wettbewerbe mitgemacht, gefeiert, überlegt und immer die Klassengemeinschaft im Blick gehabt. Es gab kein Vorbild, nur die Grundsicherheit, dass es Zeit wäre, Schule neu zu denken.

Der 1,9 Schnitt war ein Glücksfall für mich. Ich habe den Schnitt damals nicht an die große Glocke gehängt, aber für ich stand fest: Das ist es. Man muss an den Unterstützungssystemen arbeiten, um am Ende nicht nur in den Fächern erfolgreich zu sein.

Wen es interessiert, ich habe auch da einmal die ersten Überlegungen und die ersten 4 Wochen Dokumente hochgeladen. www.faust-verleiht-fluegel.de. Otto Kraz Story. Viel war einfach ins Blaue rein gemacht. Ausprobiert. Verworfen. Neu aufgestellt.

Für mich war es ausreichend, gleich nach dem 1,9 Schnitt das Projekt007 ins Leben zu rufen. Die Arbeit mit den Leuten, die später Abitur2007 schreiben würden.

Projekt 007
Direkt nach dem 1,9 Abischnitt gab es eine 9. Klassenstufe, die kein Physiklehrer mehr gerne unterrichten wollte, weil sie als unbeschulbare Stufe galt. Katastrophale Arbeitshaltung ging allen Klassen als Ruf voraus. Spannend für mich, also habe ich “zugeschlagen”. Habe alle in Physik unterrichtet. Mit dem Geist des Grundbildungserfolges im Hinterkopf glaubte ich an die Macht der Bilder und an die Möglichkeit, die Schüler/innen neu aufzustellen. Ich hatte den 007-Kalender erfunden, Eltern gleich mit eingepackt, experimentiert und jede Stunde neben Physik Oberstufengrundbildung betrieben.
Die Kalender habe ich auch bei www.faust-verleiht-fluegel.de. Bei manchen 007ern hängen sie ja vielleicht noch. :-)
Das End-Ergebnis: Nicht messbar. Allerdings gab es ja auch keinen Vergleichswert. Der Abischnitt war 2,3 wie der übliche Schnitt in Baden-Württemberg. Vielleicht wäre er ja ohne das Projekt 007 schlechter gewesen. Aber mein Traum, den Grundbildungserfolg für eine ganze verschrieene Stufe zu wiederholen, ging nicht in Erfüllung. Aber noch Jahre später bekam ich Mails wie: “Zu deiner Beruhigung: Jetzt fängt das Projekt 007 an zu wirken.” Aber mein damaliges Resümee hieß: Den Turbogang finden und einlegen bringt nur etwas in den Klassen vor dem Gehirnumbau. Danach sind zu viele Lücken, um für das Abitur noch richtig massiv messbar aufholen zu können.
Also habe ich immer als Klassenlehrer von 5. Klassen mit Bildern und Visualisierungen von Lernprozessen nur so um mich geworfen. Die 1,9 Abiturschnitt, das muss ich hier gestehen, den habe ich nie mehr erreicht, aber seit damals kamen alle meine Klassen, die ich als Fünftklassklassenlehrer mit Bildern und Geschichten “bombardiert” hatte, im Schnitt immer besser weg als der Schuldurchschnitt. Aber ich hatte natürlich auch nie mehr solche wundervollen Bedingungen, 3 Stunden in der Woche “echte Lebenshilfe” unterrichten zu können.

Die Spezie “Versetzungsgefährdete”
Eine neue Stufe meiner pädagogischen Bilder-und Beratungsflut trat ein, als wir ein Jahr am Faust hatten, in dem 42 versetzungsgefährdete Schüler/innen in den zehn 7. und 8. Klassen eine Situation zehn Wochen vor den Zeugnissen mit sich brachten, dass schon bei wenigen Nichtversetzungen aus fünf kleinen Klassen vier große hätten gemacht werden müssen. Horror. Für Schüler wie für Lehrer. Manche von euch kennen mich. Ich neige in solchen Situationen gerne zum kompletten Spinnen. “Wir machen mit denen ein Mentaltraining, dass eben keiner durchfällt.“ Elfriede H stieg mit ein und wir gründeten die Power-Watcher Wochen. Sowas wie Weight-watcher nur für Lernleistungssteigerung statt für’s Abnehmen. Luden alle Versetzungsgefährdeten der beiden Stufen ein und handelten mit ihnen einen Deal aus. “Wir setzen uns für euch am Ende ein, wenn ihr jede Woche einen Wochenbericht schreibt und einmal in der Woche zum Treffen kommt und allen anderen über eure Probleme und Fortschritte berichtet. Verboten sind Fernsehen und Computerspiele. Lieber ein Jahr Amerika als ein Jahr wiederholen.”
Verrückte Erfahrung, wie das Ding abging. Von der ersten Sitzung an. Wohl schon allein die Gewissheit, dass da jemand an sie glaubte, schien ungeahnte Kräfte freigesetzt zu haben. Klar, diese Veranstaltung war neu, keiner wollte sitzenbleiben, jeder spürte, dass da was anderes ging als in der Normalschule. Wir waren als Lehrkräfte hochmotiviert, den Kolleg/innen zu beweisen, dass wir nicht spinnen. :-) Natürlich hatten uns viele vorausgesagt, dass das vergebene Liebesmühe sei. Wir haben den Kolleg/innen trotzdem angenehmere Arbeitsbedingungen verschafft, obwohl wir es für die Schüler/innen gemacht haben. Alle 42 Versetzungsgefährdeten kamen durch. Ja, damals hat das Kollegium wild geklatscht, als der Chef das auf der Konferenz verkündet hatte.

Vom Standstreifen auf die Überholspur
Das war ein echter Turbobeschleuniger für einen Heinz Eugen B. Es hatte geklappt. Mitten in der Pubertät kann man also beschleunigen. Allerdings geht das nicht von außen. Den Schalter legt man nicht um, weil Eltern oder Lehrer den richtigen Druck aufbauen. Den Schalter legt man nur selbst um. Das war die Erkenntnis.
So haben wir in den Jahren drauf in jedem Jahr die Versetzungsgefährdeten eingeladen und solche Wochen durchgeführt. Vom Standstreifen auf die Überholspur, Raus aus der Falle, Wollen wollen, Gipfeltour etc… Wir haben die Sache in jedem Jahr anders benannt. Warum? Keine Ahnung. Neuland ist aus dem Bauch heraus immer besser. Neue Namen sind erfrischend. Die Sitzenbleiberquote haben wir über die Jahre damit in etwa halbiert.
Materialien wie immer auf www.faust-verleiht-fluegel.de

Flügelverleih
Ja und dann kam die neue Idee, mit all unseren pädagogischen Erfahrungen eine Nachmittagsschule für Fünfklässler zu gründen. Flügelverleih. Frei nach Goethe: Kinder brauchen Flügel und Wurzeln. Wir mussten ja mit G8 auch eine Hausaufgabenbetreuung anbieten. Aber wir haben lieber gleich ein ganzes Konzept draus gemacht. Wen es genauer interessiert: www.faust-verleiht-fluegel.de
Irgendwo stehen dort die Grundlagen für diese kleine aber feine Schule in der Schule. Ein zauberhafter Ort, der mit großem Aufwand und sehr erfolgreich seit mit Leben gefüllt ist. Ein echter Einstieg für die Kleinen in die große Welt des Faust, begleitet von Schülercoachs. Am Anfang über 60 Stück. Ja klar, es war schon lange die große Stärke des Faust: “Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu entwickeln, sich einzusetzen, sich zu beweisen, sich zu begeistern, eigeninitiativ zu werden, sich zu finden …. dann habt ihr viel für die Zukunft getan.”
Das war unser EXPO2000 Motto. Und das war auch bei der Gründung des Flügelverleihs am Faust der zentrale Ansatz. Seitdem arbeiten wir mit einem wundervollen jungen Kollegium, das pädagogisch sehr stark daherkommt. Fachleute der Zukunft, die uns jetzt schon mit ihrer Kompetenz helfen, gute Arbeit zu leisten. Im Rahmen dieser Nachmittagsschule kam die Idee auf, Präventionsarbeit zu machen. Unterstützen, bevor die Leute versetzungsgefährdet werden. Denn man kann es schon in der 5. Klasse absehen, wer es sein wird. Die Muster sind meist dieselben. Jump&Go war so ein verrücktes Projekt. Break&Go fiel in diese Zeit und dann gab es noch die Sommerschule und sogar einmal eine Skypeschule. Und einen Öhmkalender, der natürlich irgendwie an den 007-Kalender angelehnt war. Na ja, wir haben einfach immer viel ausprobiert. Material wie immer auf www.faust-verleiht-fluegel.de

Fünferhaus
Und dann kam die Zeit des Fünferhauses. Für die meisten von euch Ex-Faustler/innen war der Pavillon Heimat von Elftklässlern. Unten drin die Oberstufencafta. Legendär.
Mit der Idee des Fünferhauses verschwand das Oberstufenflair und kam das kunterbunte Unterstufenfeeling der Extraklasse in diese Räumlichkeiten. Ein Haus nur für die Fünftklässler. Ankommen in einer ersten kleinen Welt. Die Schleuse zwischen der klitzekleinen Grundschule und dem riesigen Gymnasium. Ich war natürlich mit dabei in der ersten Klassenlehrerrunde. Habe ja das Haus immerhin mitbegründet. Für meine eigene fünfte Klasse habe ich dann ein spezielles Hausaufgabenheft entwickelt, das mit meinen Bildern gespickt voll war. Die Idee: Jede Woche ein Bild, das ich immer in SoMeLe als Aufhänger genommen habe. SoMeLe ist seit langer Zeit am Faust Pflichtstunde in Klasse 5 und 6. Soziales und Methodenlernen. Es war mein kleines Privatheft und dann wollten es alle. Also haben wir das Hausaufgabenheft für alle fünften und sechsten Klassen eingeführt. Später nur noch für die fünften Klassen. Sechs ist schon wieder anders. Absprung. Aber Klasse fünf, das hat sich dann in den Jahren danach erwiesen, da sind viele Kinder dankbar für einen Haltegriff. Für einen Bestätiger. Für einen Beruhiger. Für einen Unterstützer. Für einen Turbolader. Für einen Erfolgscoach. Für einen Freund. …
Kinder haben mir das Heft tatsächlich sehr unterschiedlich rückgemeldet. Und klar, ein Drittel hat es sicherlich nie wirklich erreicht. Für die war es eben Hausaufgabenheft. Punkt. Und Hausaufgaben sind ja einfach blöd. Damit auch so ein Heft. :-)

Aber viele haben es einfach geliebt.
Download wie immer. www.faust-verleiht-fluegel.de bei Otto Kraz.

Hatte ich das mit dem Otto Kraz eigentlich schon? Ja, doch oder? Ich unterrichte ja als Otto Kraz in Weit im Winkl. www.aufeigenefaust.com Mehr dazu dort. Wen es interessiert.

Sechs Kreuze zum Erfolg
So und jetzt? Pensionierung? Ende der pädagogischen Reise? Keine Sorge. Für was hat man Kinder. Meine älteste Tochter hat einen kleinen Verlag gegründet. www.vinclair-verlag.de Sie hat die Hausaufgabenhefte gesehen, die Erfolgsstorys gehört und wollte die Hefte verlegen. Natürlich sagt man da als Vater nicht “Nein”, wenn die Idee aufkommt, die Hausaufgabenhefte für den kritischen Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule neu zu konzipieren. Für die Unterstützung der Absprungschanze. Klasse 4 und 5. Ja und so kam es, dass die Hausaufgabenhefte das Faustland verlassen haben und nun auf dem freien Markt in Erscheinung treten. Ihr dürft ruhig davon erzählen, wenn ihr Leute kennt, die gerade Kinder in der 4. oder 5. Klasse haben. Ein wunderbares sensationelles zauberhaftes Geschenk der Extraklasse. Und ihr könnt gerne sagen: Mit dem Autor dieses Hausaufgabenheftes habe ich manch Schulfete gefeiert. :-) Ihr merkt, ich befinde mich jetzt schon außerhalb des Faust im kunterbunten, lebensprallen Werbeteil des vinclair-verlags.
Was jetzt noch als Begleitmaterial den Hausaufgabenheften folgt, ist der Elternberuhiger. Quasi die Gebrauchsanleitung, wie man als Eltern mit den Hausaufgabenheften professionell umgeht. Den schreibe ich für euch und für den Verlag meiner Tochter. Parallel. Denn das ist es eigentlich, was ich in den Ferien versprochen hatte: Einen Elternratgeber für Ex-Faustler zu schreiben.
So, wer jetzt immer noch mitliest, der hat sich eine Pause verdient.
Gruß

Der Heinz

8. November 2014

Der Autopädakt

Abgelegt unter: Faust-Eltern-Beratung — heinz.bayer @ 11:11

Kapitel 4
Ja ich weiß, ich habe irgendwo geschrieben, dass ich wöchentlich für euren Faust-Spezial-Erziehungsratgeber, sorry, für den Elternberuhiger-für-Ex-Faustler-und-innen schreiben will. Ich wollte schon, aber ich habe diesen doofen Zeitfaktor falsch eingeschätzt. Aber jetzt gebe ich mal Gas. Ich beginne mit einem “Buch”, das ich vor genau 22 Jahren angefangen hatte zu schreiben, weil meine Töchter sich aufmachten, in die Pubertät zu kommen. Die man damals noch überwiegend auf hormonelle Umstellungen im Körper zurückführte. Ich hatte ja schon 13 Jahre Rein-Raus-Erfahrungen hinter mir. Vor 30 Jahren gefühlt im Durchschnitt in der 7. Klasse rein nach der 10. Klasse raus aus diesem Ding. Raupe Nimmersatt bis zwölf, Kokon bis 16, Schmetterling zwei Jahre vor dem Abitur. Die Zeit, in der du an den Kokon klopfst und dich fragst, ob da jemand zu Hause ist, ist schon etwas sehr Spannendes, wenn du nicht gerade Vater von dem Wesen im Kokon bist. Oder Mutter. Oder Lehrer, der dieses Erwachsenwerden aus seinem Unterricht heraushalten will, weil es ja bitteschön nichts mit Mathematik zu tun hat. Oder mit Physik oder Englisch. Da gingen sie also rein, in diesen Kokon. Vor 22 Jahren. Zuerst meine Älteste, heute Verlegerin. Damals meinte meine Jüngste beim Anblick einiger Ausfälle heraus aus dem Kokon der Älteren: “Papa, ist das jetzt die Pubertät?” Ja im Hause Bayer war Pubertät schon angekündigt. War etwas, was in Gesprächen über das Leben oft auftauchte, weil der Vater ja tagtäglich in diesem spannenden Feld gearbeitet hat und viele wilde Geschichten aus der Welt der Kokon-Schule erzählen konnte. Ich nickte damals und meinte: “Ja, ich denke schon.” Ich wusste ja wirklich selbst nicht, was sich da im Gehirn meiner ältesten Tochter abzuspielen begann. “Da geh ich nie rein!” meinte damals meine Jüngste. Heute Modedesignerin. “Und wenn ich rein muss, dann geh ich ganz schnell wieder raus!” Ja wenn das so leicht wäre. Auch sie ging rein und kam eher spät wieder raus. Vielleicht brauchen Kreative im Kokon noch mehr Zeit. Auf alle Fälle kam ich mit all meinem Wissen und meinen Weisheiten über diese wundervolle Phase des Lebens mit den “furchtbaren” Auswirkungen auf die Schule nicht mehr an meine Töchter heran. Ist ja auch so eingerichtet. Mein “wunderbares” Wissen wollte aber damals irgendwie trotzdem raus. Ich habe es in einem “mitwachsenden Buch” aufgeschrieben – damals natürlich von Hand, Computer waren noch keine Option. Und ich hatte natürlich meinen Töchtern gesagt, wo im Regal ich das Buch hinstelle. Klar haben sie damals heimlich gelesen, was der Alte da so reinschrieb. :-)
Deshalb mein Tipp an dieser Stelle: Wenn die Kids im Kokon verschwinden, schreib dir deine erzieherischen Weisheiten doch familienöffentlich von der Seele und wenn es ganz böse kommt, schreibe einfach an deine Enkelkinder und beschwere dich über ihre Mama oder ihren Papa. Auch das hat mir damals oft gut getan, wenn ich, wie jeder Vater pubertierender Töchter, manchmal in den Tisch beißen könnte.
Ja damals habe ich dann auch angefangen, meine ersten Beratungsbilder zu entwickeln. Manche verwende ich tatsächlich heute noch. Was für mich natürlich genial war, ich hatte immer Pubertätsberaterinnen in Reichweite. Schülerinnen, die gerade aus dem Kokon herausgeschlüpft waren und die mich immer beruhigen konnten. Ich habe mich natürlich immer an die heftig Wilden im Kokon gehalten, bei denen viele in der heißen Phase nur noch an Untergang dachten.
Seine eigene Pubertät kann man ja verrückterweise nicht wirklich gut herbeizitieren, weil man Dinge wie “Ernsthaftigkeit der Schule gegenüber” nicht abgespeichert hat. Verdrängt, verklärt, verschwommen. Beziehungsgeschichten kennt man dafür umso besser. Die meisten Menschen können in sich selbst sehr ernsthaft in die Kokonzeit zurückfühlen, was Beziehungsgeflechte, Auseinandersetzungen mit Freunden und Eltern und was Zukunftsträume angeht. Schule ist da eher ein blinder Fleck. Logisch. Heute weiß man dank der Gehirnforschung, warum.
Mein Tipp also am Ende dieses Kapitels: Holt euch eine Pubertätsberaterin oder einen -berater mit ins notwendige Beruhigungsboot. Jemand, der gerade als Schmetterling aus dem Kokon herausgeschlüpft ist, falls ihr da jemand kennt. Ganz junge Erwachsene können euch am allerbesten aus dem Inneren des Kokons erzählen. Sie spüren noch diese Zeit. Das entspannt enorm, wenn man sich dann den Schmetterlingszustand seiner Beraterin oder seines Beraters ansieht. :-

2. Oktober 2014

Der Erfahrungsblogger vom Faust

Abgelegt unter: Faust-Eltern-Beratung — heinz.bayer @ 20:11

Ja ich glaube, ich darf für euch ehemalige Faustler erfahrungsbloggen, weil ich ja immerhin über 30 Jahre lang eure Eltern beraten habe. Allermeistens habe ich einfach beruhigt. Auf die wundervollen Fähigkeiten von uns Menschen verwiesen (also auf eure), die es uns ermöglichen, aus Niederlagen echte Stärken zu entwickeln. Bei dem Thema Schule muss immer klar sein: Es gibt nie einen echten Absturz, einen echten Konkurs. Es gibt immer Lösungsmöglichkeiten. Es ist nicht Aufgabe von Eltern, alle Probleme aus dem Weg zu räumen. Fragt mal im Freundeskreis herum. Die allermeisten werden im Nachhinein sagen: “Schule? Meine Eltern hätten sich viel Stress erspart, hätten sie einfach vertraut, dass ich das irgendwie schaffe. Die Noten wurden viel zu hoch gehandelt.” Wenn ihr ganz ehrlich seid, dann wisst ihr das selbst auch. Das mit den Noten. Nur, falls ihr schon Kinder im schulfähigen Alter habt, dann merkt ihr: “Upps, verdammt schwer.” Man hätte es doch so gerne. Dass die Kinder einfach aufpassen, Hausaufgaben machen und gute Noten schreiben. Sonst nichts. Das würde euch vollkommen reichen. :-)
Ja und genau da benötigt man vielleicht einen “Beruhiger”, einen “Komm-mal-runter-Rufer” oder einen Erinnere-dich-mal-Zwinkerer. Verrückte Sache. Obwohl man selbst ja wissen müsste, dass seine eigene Deutschnote in der 8. Klasse oder seine Mathenote in der 9. Klasse nichts mit dem aktuellen Erfolg im Beruf zu tun haben. Seinem Erfolg beim Bewältigen dieses Wahnsinns von Leben auf einem Planeten in unserem Jahrhundert. Aber bei seinen Kindern wollen es die Allermeisten einfach bitteschön ganz einfach haben. Ohne Druck, freundschaftlich, aber bitte doch mit guteN Noten. Damit man sich als Papa entspannt zurücklehnen kann. Und damit man sich als Mama genussvoll auf die Schultern klopfen kann. “Na ja, unsere Erziehung, ist ja klar.” Oder umgekehrt.
Mal ganz ehrlich. Ich fange mal wieder ganz vorne an. Bei den jungen Ex-Faustlern ohne Kinder. Ob ihr das nun später zugeben wollt oder nicht: Wenn irgendwann einmal Eure Faust-Kinder auf die Welt kommen, quasi die Fäustlinge, dann werdet ihr versuchen, eure Erziehung zu optimieren. Innerhalb eurer Möglichkeiten. Nichts anderes würde ich von euch erwarten. Die vom Faust wissen zum großen Teil, dass Schule ein guter Ort sein kann und das wollt ihr auch für eure Kinder. Sie sollen es mal gut haben in der Schule. Möglichst gut. Also optimale Bedingungen mitbringen. Startbedingungen. Da seid ihr gefordert. Ihr werdet viel Erziehungsbücher lesen. Ihr werdet merken, dass es keine einheitliche Meinung in Sachen optimierte Erziehung gibt. Als Beruhiger aus der Gymnasialecke würde ich meinen. Lest so viel ihr wollt. Macht genau das, was euer Bauch meint, dass es richtig ist. Dann erzieht ihr authentisch. Nur:Erwartet möglichst wenig dabei. Also bloß nicht so Dinge wie: “Eigentlich müsste mein Oskar in seinem Alter schon 100 Worte sprechen Und er spricht erst 10 und die nuschelt er auch noch. Ooooooooooooskaar! Streng dich mal an. So kommst du nie auf’s Gymi.” Ihr meint, ihr denkt am Anfang noch nicht ans Gymi? Wartet mal ab, was ihr als Mama oder Papa plötzlich alles anfangt zu denken. :-)
Das ist manchmal echt gruslig. Weil man sich doch noch so ein wenig an sich selbst erinnert. Aber dann meistens schnell verklärt. Oder auch einfach nicht mehr weiß, weil die reale Sicht der Dinge im großen Umbau des Gehirns untergegangen ist. Verschollen.

17. September 2014

Warum darf ein Bayer eigentlich beratungsbloggen?

Abgelegt unter: Faust-Eltern-Beratung — heinz.bayer @ 20:11

Kapitel 2
Ich sollte vielleicht einmal erzählen, mit welchem Erfahrungs-Hintergrund ich hier überhaupt pädagogisch blogge. Ihr (also die Ex-Faustler und -innen) habt mich ja meist nur kurze Zeit erlebt. Die wenigsten unterrichtend, die meisten aber als einen, der sich die Schule als wunderbaren Ort für Projekte aller Art ausgesucht hatte. :-) Physik und Geographie, später dann noch Mathe … Klar. Damit habe ich immer meine Kreuzerle verdient. Aber letztendlich habe ich nebenher als cleverer Schwabe eine Möglichkeit gefunden, billig an die Möglichkeit zu kommen, mit hochrangigen Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten. :-) Das habe ich allerdings erst relativ spät entdeckt. Als ich mit vielen Kontakten zu Ehemaligen bemerkt hatte ( verrückt, denn das ist ja eigentlich nur total und absolut logisch: Wer an einem Gymnasium als Lehrer arbeitet, der arbeitet mit künftigen Fachleuten der Zukunft zusammen. Und gibt ihnen diese bescheuerten Noten. Mit Architekten, Ärztinnen, Sozialarbeitern, Politikerinnen, Philosophen, Stadplanerinnen, Physikern, Lehrerinnen, Tierärzten, Soziologinnen, Filmschaffenden, Künstlerinnen, Präsidenten, Bundeskanzlerinnen …und und und. Deren Fähigkeiten in frühen Jahren zu nutzen, das was innerhalb des Vierteljahrhunderts, das ich mit MeOck Verbindungslehrer war, irgendwann gedanklicher Selbstläufer. Ich glaube, am meisten habe ich über Erziehung gelernt, indem ich mit den vielen, vielen Schüler/innen zusammen gehockt bin und dann viele Jahre später gemerkt habe: “Leute, raus mit der Dramatik des Schulalltags. Beruhigt euch. Auch wenn es scheinbar böse enden wird. Es endet fast nie wirklich böse. Vielleicht anders. Aber 10 Jahre später ist vielleicht genau das absolut der Knaller.  … Aber als Eltern hat man diese Erfahrungen nicht. Muss sich verlassen, dass es Leute mit dieser Erfahrung gibt, denen man die Beruhigung abnimmt. Denn genau darum geht es in meinem Blog. Beruhigung. Zurücklehnen und zuschauen, wenn es dann soweit ist. Vorher versuchen, die besten Strategien zu entwickeln. Und immer: Das Leben leben. Prall und bunt und erfolgreich.

Denn ich bin inzwischen Schulopa und auch echter Opa. Und bereit, Erfahrungen weiterzureichen.

9. September 2014

Onkel Otto

Abgelegt unter: Faust-Eltern-Beratung — heinz.bayer @ 11:03

An alle Irgendwannmal-Mamas-und-Papas, Schon-jetzt-Mamas-und-Papas und irgendwannmal-Opas-und-Omas

und speziell: An alle Ex-Faustler/innen

Ein erster “kleiner” Überblick. (Sorry ich kann nicht kurz schreiben)

Der Onkel Otto von meiner Mama hat oft zu ihr gesagt:  ”Vergiss nie, deine Kinder sind nur Gäste in deinem Haus. Deshalb: Pflege deine Beziehung.” Ja stimmt schon, was der Onkel Otto da vor Urzeiten sagte. Ich erzähle später noch mehr von ihm.
Aber eines muss wirklich jedem klar sein, der Kinder bekommt: Das ist eine lange, aber im Verhältnis zum gesamten Leben dann doch eine relativ kurze Zeit, die man mit seinen Kindern direkt zusammen ist. Also darf man sich und seine/n Partner/in in dieser Zeit bitte nie aus den Augen verlieren.
Da bekommt man also ein Kind oder zwei, drei und dann geht das echt Ratz Fatz.
Die Yona von der Veronika macht jetzt Abi.
Ratz Fatz. “Hiiiiiilfe, war doch gerade erst in der Grundschule.”
Es dauert etwa 12 Jahre, bis man loslassen muss und üblicherweise 18 Jahre, bis diese wunderbaren jungen Menschen, genannt eigene Kinder, wieder aus dem Haus gehen. Sechs Jahre davon – also sagen wir mal von 13 bis 18 – sind für manche Elternmenschen sehr stressig, weil sie nie eine Möglichkeit hatten, sich auf diese Zeit richtig vorzubereiten. Man schlappt da so rein und leidet oft. In dieser Zeit des kompletten Umbaus der Zentrale unter der Schädeldecke. Pubertät hört sich viel zu harmlos an. Obwohl schon allein dieser Begriff bei vielen Furcht auslöst. Ich würde es eher beschreiben als den Umbau eines Motorroller in einen Porsche bei laufendem Motor. Dicke zeitliche Überschneidung mit Schule. Ohne diesen Gehirnumbau wäre es für alle Eltern eine Wahnsinns tolle Zeit. Planbar. Mit diesem Umbau ist nichts planbar. Nur die viel benutzten Strukturen behält das Gehirn. Andere Ansätze werden entsorgt. Weil ja wenig benutzt. Angenommen, so ein Zwerg kommt unorganisiert in die Umbauphase und ist es nicht gewohnt, auch mal ruhig zuzuhören, dann wird auch das umgebaute Gehirn erst mal keinen Platz für Organisation zur Verfügung stellen. Deshalb müssen Strukturen vor dem Absprung stehen. Außer man schickt sein Kind auf die Laborschule. In Weit im Winkl wird es trotzdem gut gelöst, aber wer kann sein Kind schon auf diese sagenumwobene Laborschule schicken. Viel zu teuer und viel zu weit weg. Nur über’s Internet erreichbar. www.aufeigenefaust.com Dabei eigentlich: Ein Riesenschauspiel, dieser Umbau. Großartige  Vorstellung. Wenn die Lehrer und die Eltern urkomisch werden. Für die Kids sind sie dann ganz weit weg.
Zu euch Ex-Faustler/innen: Eure eigene Erinnerung an diese Zeit ist nicht objektiv, wenn ich das hier anmerken darf. Das Hirn blendet einen selbst beim Umbau oft einfach aus. Man braucht also dringend einen Faust-Eltern-Führerschein für den richtigen Umgangsstil in Umbauzeiten. :-)
Mal angenommen, du bist eine junge Ex-Faustlerin oder eine Ex-Faustler und du wirst in den nächsten Jahren irgendwann Mama oder Papa. Das geht übrigens oft ganz schnell. Man hört, üblicherweise mit einer Vorlaufzeit von 9 Monaten. Soll heißen, wenn du im September 2014 noch weit weg von diesem Thema bist, dann kann es im Juni 2015 ganz anders aussehen. Die richtige Erziehung setzt meiner Meinung nach voraus, dass du begreifst, dass es dir persönlich dabei gut gehen sollte. Beim Erziehen. Sich wohl fühlen. Ja oberstes Prinzip heißt: Man muss es sich gut gehen lassen und Beziehungen pflegen. Grundlage jeder guten Erziehung. Richtig erziehen? Gibt es das? Authentisch erziehen ist richtig. Aus dem Bauch heraus. Verlass dich ganz viel auf dein eigenes Gefühl. Du musst eigentlich nur ein paar wesentliche Dinge wissen, dann hast du eine kunterbunte lebenspralle Zeit vor dir, wenn es dann soweit ist. Da das, wie gesagt schnell gehen kann, ist es ein Thema auch für euch jungen Faustler. (Für die Alten sowieso. Ihr steckt eben schon mitten drin in dem Prozess.)
Denn, und jetzt komme ich zu meiner ersten Illu, die ersten drei Jahre sind natürlich wichtig, wichtig, wichtig. Also echt total unbedingt oberwichtig. Da wurde schon so viel drüber geschrieben, dass ich da nicht auch noch was dazu sagen muss. Ich sage deshalb einfach wichtig, wichtig, wichtig. Also auch für später in Hinblick auf die Schule oberoberwichtig. Weil da die Startbahn in dieses kunterbunte unglaubliche Leben gelegt wird. Diesen Startbahnbau kann man nicht auf später verschieben.
Da bist du als Mama oder Papa echt als Startbahnbauer/in gefordert. Viele Jahre vor der Schule entscheidet sich schon, ob du 12 Jahre später entspannt loslassen kannst. Ob du genügend Grundlagen gelegt hast. Die da heißen: Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit. Lebenssicherheit, Beziehungssicherheit, Selbstbewusstseinssicherheit, Fähigkeitensicherheit, Handlungsicherheit, … keine Sorge, du musst das alles sich nur entwickeln lassen. Es muss dir einfach bei allem gut gehen. Keine Angst, dass es schief geht. Keine Angst vor schlechten Schulnoten. Du musst jetzt noch nicht bibbern, weil dein Sohn später vielleicht einmal Schulprobleme hat. Du musst jetzt Sicherheit vermitteln. Steig einfach aus der allgemeinen Elterndiskussion aus, was jetzt alles angesagt wäre, damit dein Kind einen maximal guten Abitursschnitt hat. Denn der Abitursschnitt hängt von ganz anderen Faktoren ab als von der massiven Frühförderung. Dazu aber später.
So und jetzt im Schnelldurchgang als Überblick:
Das vierte bis sechste Lebensjahr ist notenfrei. Wäre ja noch schöner. “Spielt mit Bauklötzen 2/3, spielt mit Puppen Rollenspiele 3-, Ball fangen 2+, Anzahl der fließend gesprochenen Wörter 4/5. Hiiiiiiiiiilfe!!!” Aber dann kommt die Schule mit hohen Erwartungen und mit viel Anfangslust. Und in den ersten 3 Jahren ist auch alles noch ganz entspannt. Meistens. Aber dann kommt in der Vierten die Erkenntnis für die Kids: In Klasse 4 scheint sich etwas zu entscheiden. Die Eltern kommen in eine ganz komische Phase. Irgend etwas scheint die Leichtigkeit des Seins zu verlassen. Weiterführende Schule. Heute eigentlich kein wirkliches Problem mehr, weil sich Eltern auch gegen die Empfehlung der Grundschulkollegin entscheiden können. Trotzdem: Die Leichtigkeit des Seins ist vorbei. Jetzt scheint es für die Kids wirklich um den Ernst des Lebens zu gehen. Klasse fünf ist wie ein erstes großes Prüfungsjahr. Hohe Erwartung allüberall.
Wenn man jetzt als Mama oder Papa verstehen würde, dass genau diese beiden Jahre, also vier und fünf, die wesentlichen zwei Jahre sind, in denen schulisch elternseits “nachgebessert” werden kann, falls die Lehrer/innen von Gymi oder Realschule meinen: ” Au, au, au, nicht so einfach mit ihm oder ihr…”, dann wäre viel gewonnen. Wenn man jetzt als Papa oder Mama wissen würde, dass die Auswirkung des eigenen pädagogischen Einflusses als Eltern rapide gegen Null geht und dass mann dann spätestens ab der 7. Klasse entspannt zuschauen können muss, dann wäre viel für die Entspannung gewonnen. Und wenn jetzt Mamas und Papas noch auf dem Schirm hätten, dass entspannte Eltern Kinder in der Schule erfolgreicher machen, dann wäre ihnen klar, dass sie diesen Erziehungsratgeber des Heinz Eugen B aus der Basis-Erfahrung von 35 Jahren Faust
dringend brauchen. :-)
Wie man schon im dritten Lebensjahr seinen Blick unkompliziert auf die beiden wesentlichen Schuljahre vier und fünf lenken kann, damit es genau dort klappt, so optimal, wie es eben klappen kann, das werde ich im Laufe dieses Blogs entwickeln.
Aber dazu brauche ich Zeit. Also Geduld. Spätestens in einem Jahr wisst ihr mehr, was so ein alter Lehrmeister alles darüber so denkt. So einalter Faustler, der dieses fünfte Schuljahr in- und auswendig kennt, das Starterjahr, in dem ihr ein letztes Mal wirklich noch den richtigen Einfluss nehmen könnt, bevor euer Kind die dann hoffentlich stabilen Flügel ausbreitet und ihr dann hoffentlich stressfrei Schule genießen dürft. Ich drücke die Daumen und versuche, meinen Teil dazu beizutragen.
Wie sagte schon unsere alter Goethe:
“Kinder brauchen Wurzeln und Flügel.” Die fetten Wurzeln müssen bis zur 4. Klasse gewachsen sein. Stabile Flügel bis zur fünfter Klasse. Ok, 6. Klasse reicht manchmal auch noch. :-)
So ich höre mal auf. Zur Info. Ich schreibe natürlich hier noch nicht in Buchform.

Hier noch die Illu der Woche. So plane ich den Aufbau des Ex-Faustler/innen-an-die-Hand-Nehmers oder wie ich am Ende dieses Ding auch nennen werde.

1. September 2014

Der Countdown beginnt

Abgelegt unter: Faust-Eltern-Beratung — heinz.bayer @ 21:35

Liebe Leser/innen

In einem Jahr endet mein beruflicher Aufenthalt am Faust. Der Flügelverleih hat sich inzwischen als ein sehr erfolgreiches Konzept etabliert. Ich drücke alle Daumen, dass die Voraussetzungen für dieses Konzept auch weiterhin bestehen bleiben.

Im letzten Jahr fragt man sich als Vollblutfaustler natürlich so manches. Was bleibt, was wird sich komplett ändern? Kann man was zurücklassen? Soll man überhaupt?

Ich habe von meinen 35 Jahren Faust aber immerhin fast ein Vierteljahrhundert Schüler/innen als Verbindungslehrer beraten und begleitet. Ich habe als Fachabteilungsleiter für Schulentwicklung so manchen Pflock eingeschlagen und in den 35 Jahren heftig viele, viele Eltern beraten. Inn einem Jahr, am 25. Juli 2015, findet das große Stufentreffen am Faust statt. Und jetzt hat mein pädagogischer Kopf behauptet, ich solle in diesem Zusammenhang doch noch einen Ex-Faust-Schüler/innen- und-jetzt-Faust-Eltern-an-die-Hand-Nehmer als Blog schreiben. Weil Eltern sein in dieser kunterbunten und vielfältigen Welt sehr komplex ist. Wer als Mama oder Papa meint, man könne mit seinen eigenen Schulerfahrungen von damals aus der Zeit des intensiven Gehirnumbaus heute richtig entscheiden, der liegt schief. Da hatte man eigentlich keine wirklichen Antennen für Unterricht und Schule. Eher für Beziehungen und das Leben an sich. Keine gute Grundlage, professionelle Eltern für Unterrichtsangelegenheiten zu sein. Also Eltern, die entspannt diese wunderbare und lebenspralle Phase des Zusammenlebens genießen können, obwohl Schule scheinbar nicht so läuft, wie man das geplant hat. Ich habe von viel zu vielen kleinen und großen Tragödien in Elternhäusern erfahren, von denen die meisten vollkommen unnötig waren, schaut man sich die Entwicklung 5 oder 10 Jahre später an. Aber wenn man als Eltern mitten drin steckt … angefangen von der 4. Klasse – endend mit dem Abi, dann ist die Sache emotional eine vollkommen andere. Sein einziges Kind oder zumindest eins seiner zwei, drei Kinder. Da gibt doch niemand eine Garantie, dass es gut gehen wird. Man hat so viele Geschichten gehört. Ja tatsächlich: Garantien gibt es keine, aber Erfahrungen. Deshalb diese neue Thematik in diesem Blog.

Heinz Bayer

Vorwort

Liebe/r …. (Abi annodazumal am Faust)

Lange ist es her. Du warst am Faust. Du hast dort eine sehr prägende und zentrale Lebenszeit verbracht. Die Zeit deines einzigen kompletten Gehirnumbaus in deinem Leben. Wie Gehirnforscher heute die Pubertät beschreiben würden. Nicht einfach spinnende Hormone, nein ein kompletter Umbau im Zentralcomputer. Bei laufendem Betrieb. Eine Zeit, in der man sich von innen heraus schon komplett und bewusst ernst nimmt, aber von außen gesehen manchmal doch ziemlich schräg daherkommt. Kein Vorwurf. Geht allen Menschlein so. Aber aus dieser Zeit kommen viele deiner heutigen Einschätzungen von Schule. Genau deshalb machen viele von uns als Eltern echte Fehler, weil sie eine Sicht auf Schule einnehmen, die komplett verklärt. Und falsche Vorstellungen hervorbringt. Und falsch entscheiden lässt.

Deshalb mache ich das jetzt einfach für euch und für mich. Ja, ich schreibe gerne. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Ich beginne hier einen Fausteltern-an-die-Hand-nehm-Blog. Für die tollsten Jahre mit deinen Kindern, wenn du sie entspannt erleben kannst. Ja ich denke, ich darf das machen. Als Gernschreiber und Bildermaler. Mit 35 Jahren Schulmeister- und Beratungserfahrung im Gepäck. Vielleicht kommen im Laufe der Zeit Geschichten von euch dazu. Eine echte Faust-Fibel für Faustler der neuen Elterngeneration.

Einmal die Woche. Bis ich meine, alles gesagt zu haben.

Ich habe euch zum Start gerade ein Bild gemalt.

Tolle Zeit. Man sitzt im Urlaub und kann das einfach tun: Musik hören, Wein trinken, Träumen, Texte schreiben, Skizzieren, Hochladen.

Ich lasse das Bild einfach mal so stehen. Werde später darüber bloggen.

Der Heinz

p.s. Bernhard Schlink, Autor von „Der Vorleser“ und „Sommerlügen“ und im normalen Leben Richter, sagte vor kurzem: „Schreiben ist für mich wie Urlaub“. Er spricht mir aus der Seele. Warum das bei mir so ist? Keine Ahnung. Ist auch vollkommen egal. Wir Menschen ticken einfach alle komplett unterschiedlich. Ist doch gut so.

Jetzt sollte man nur Schule darauf ausrichten können.

26. Dezember 2013

Gustav-Helene-Schule

Abgelegt unter: Gustav-Helene-Schule — heinz.bayer @ 11:41

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Die Idee dieses Blogs findet 2014 ihre Fortsetzung unter der Adresse der Gustav-Helene-Schule

Dort werden sich auch die Einzelheiten der Mittagsakademie finden. Die Gustav-Helene-Schule ist der Versuch, einigen pädagogisch gleich tickenden Menschen innerhalb der in der Zwischenzeit doch recht verzweigten Arbeitsbereiche des Flügelverleihs am Faust eine neue gemeinsame Plattform zu geben.

Vielleicht treffen wir uns in Weit im Winkl.   :-)

24. November 2013

Mittagsakademie am Faust

Abgelegt unter: Mittagsakademie — heinz.bayer @ 21:37

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Keine Sorge, uns gibt es schon noch.

Der Flügelverleih hat ein neues Aufgabenfeld. Die Mittagsakademie. Der Flügelverleih läuft stabil, allerdings mit viel weniger Lehrereinsatz. Aber wir haben aus der Not nun eben wieder eine Tugend gemacht. Aber dazu vielleicht später.

Hier einmal eine erste Einladung an unsere neuen Kunden

Mittagsakademie am Faust

Ihr lieben jungen Menschen mit Mathe-Vier-und-schlechter im Schulrucksack

Wir haben da etwas für euch gegründet, das euch vielleicht interessieren könnte. Die Mittagsakademie am Faust. Erste Runde: Mathematik. Der Versuch, Menschen, die statt Vier oder Fünf gerne mit einer Drei oder Zwei in Mathematik herumlaufen würden, dabei massiv und zielgerichtet zu unterstützen. Wenn sie sich unterstützen lassen wollen. Also echt wollen. Richtig wirklich wollen. Sonst funktioniert unser Konzept nicht. Weil wir keine echten Zauberer sind, sondern nur pädagogische Zauberer. Aber wenn es funktioniert, weil ihr wollt, dann geht das so:

Nennen wir einen von euch einmal Otto. Sagen wir Klasse 8. Letzte Mathematikarbeit lief wieder komplett schief, obwohl Otto doch sooooo viel gelernt hat . Otto kommt gefrustet in der Mittagspause am Schülerbüro vorbei. “Wie war das mit der Diagnose? Ich habe jetzt endgültig genug. Ich glaube, ich sollte das doch mal probieren. Mit der Akademie, meine ich.” Otto macht mit Herrn Illner, Herrn Zürn oder Herrn Bayer einen Termin aus. Einer von denen sitzt in jeder Mittagspause im ehemaligen Schülerbüro. Das jetzt Mittagsakademie am Faust heißt. Kurz MAaF. Zürn, Illner und Bayer sind quasi die Akademiedirektoren. Nehmen wir mal an, Otto bekommt einen freien Diagnose-Termin am nächsten Montag. Da hat er sowieso Nachmittagsunterricht. Statt zur Pizzeria zu laufen, haut er sich eben jetzt einmal ein Wurstbrot für seine glorreiche mathematische Zukunft rein und tritt im Computerraum an. Dort wartet schon ein Akademiedozent. Klasse 10 oder Kursstufe. Ein Matheblicker – oder eine -blickerin. Otto setzt sich an einen Rechner und legt los. Diagnose Mathematik Klasse 8. Das Programm, das die MAaF gekauft hat, kann mathematische Wissens-Lücken finden, wenn man Aufgaben löst. Klett-Verlag, Schroedel-Verlag und andere Online-Helfer. Ottos Lücken werden gnadenlos aufgedeckt. “Herr Otto, die sollten Sie stopfen”, meint der MAaF-Dozent ernst. “Sonst könnte das böse enden. Aber keine Sorge, es gibt ja uns.” Ja und da Otto sich geschworen hat, dass er nicht mehr mit einer Mathe-Vier in der Welt herumlaufen will, lässt er sich darauf ein. Bekommt individuell zu seinen Lücken Aufgaben, die er dann selbstständig lösen kann. Und wenn er Fragen hat, kann er ja jeden Mittag an der Akademie vorbeikommen. Da können kleine Fragen wunderbar geklärt werden. Für richtig große fette Fragen, die nicht im Vorbeilaufen zu lösen sind, kann sich Otto einen Coach buchen. Ganz individuell. Vierzig Minuten. Mittagspause. 5 Euro. Die Diagnose selbst ist erfolgsorientiert. Wenn die nächste Arbeit drei und besser ausfällt, wird Otto ohne mit der Wimper zu zucken, fröhlich seine 10 Euro einzahlen. “Billiger als jede Nachhilfe,” wird Otto sagen. Bliebe die Note im Viererbereich und schlechter, hätte Otto immerhin den Trost: “10 Euro gespart!” Für zwei Euro nimmt er auch noch den kleinen Akademie-Helfer mit. “Nie mehr schlecht in Mathe” steht auf dem Einband. Autoren: Die pädagogischen Zauberer von der MAaF. Die nie müde werden, zu behaupten, dass, wer in Mathe stabil läuft, auch in Physik stabil laufen kann, wenn er das will. Oder sie. Und wenn alle Ottos vom Faust – und natürlich auch alle Ottilien- ihre Mathe- und Physik- Fünfer gegen Mathe- und Physik-Dreier eintauschen würden, dann würde am Faust fast niemand mehr sitzenbleiben und die Direktoren der Akademie wären stolz wie Oskar. Allein dafür lohnt es sich doch, mal vorbeizuschauen. Und Einzelheiten erfragen.

Mit heftigen mathematischen Grüßen

Tobias Illner, Benjamin Zürn, Heinz Bayer

Direktorium der Mittagsakademie am Faust.

p.s. Später werden wir auch Englisch Diagnosen und dann Deutsch Diagnosen anbieten. Aber erst, wenn wir die Mathematik gerockt haben.

Soweit die Einladung an unsere Kunden. Hier noch die Einladung an unsere Dozenten:

Mittagsakademie am Faust

Ihr lieben jungen Menschen Klasse 10 aufwärts mit Mathe-Zwei-und-besser im Schulrucksack

Wir haben da etwas für euch gegründet, das euch vielleicht interessieren könnte. Die Mittagsakademie am Faust. Erste Runde: Mathematik. Der Versuch, Menschen, die statt Vier oder Fünf gerne mit einer Drei oder Zwei in Mathematik herumlaufen würden, dabei massiv und zielgerichtet zu unterstützen. Wenn sie sich unterstützen lassen wollen. Also echt wollen. Richtig wirklich wollen. Sonst funktioniert unser Konzept nicht. Weil wir keine echten Zauberer sind, sondern nur pädagogische Zauberer. Aber wenn es funktioniert, weil so ein Vierer-im Rucksack-Mensch es will, dann geht das so:

Nennen wir einen von ihnen einmal Otto. Sagen wir Klasse 8. Letzte Mathematikarbeit lief wieder komplett schief, obwohl Otto doch sooooo viel gelernt hat . Otto kommt gefrustet in der Mittagspause am Schülerbüro vorbei. “Wie war das mit der Diagnose? Ich habe jetzt endgültig genug. Ich glaube, ich sollte das doch mal probieren. Mit der Akademie, meine ich.” Otto macht mit Herrn Illner, Herrn Zürn oder Herrn Bayer einen Termin aus. Einer von denen sitzt in jeder Mittagspause im ehemaligen Schülerbüro. Das jetzt Mittagsakademie am Faust heißt. Kurz MAaF. Zürn, Illner und Bayer sind quasi die Akademiedirektoren. Nehmen wir mal an, Otto bekommt einen freien Diagnose-Termin am nächsten Montag. Da hat er sowieso Nachmittagsunterricht. Statt zur Pizzeria zu laufen, haut er sich eben jetzt einmal ein Wurstbrot für seine glorreiche mathematische Zukunft rein und tritt im Computerraum an. Dort wartet schon ein Akademiedozent. Klasse 10 oder Kursstufe. Ein Matheblicker – oder eine -blickerin.

So und da sind wir jetzt bei dir angekommen. Das ist unser Jobangebot. Akademiedozent am Faust. Oder Dozentin. Klar. 5 Euro die Stunde. Wie ein Flügelcoach. Interesse? Immer auf Anfrage, wenn ein Platz gebucht ist. Otto setzt sich an einen Rechner und legt los. Diagnose Mathematik Klasse 8. Das Programm, das die MAaF gekauft hat, kann mathematische Wissens-Lücken finden, wenn man Aufgaben löst. Klett-Verlag, Schroedel-Verlag. Andere Online-Angebote. Ottos Lücken werden gnadenlos aufgedeckt. “Herr Otto, die sollten Sie stopfen”, meint der MAaF-Dozent ernst. “Sonst könnte das böse enden. Aber keine Sorge, es gibt ja uns.” Ja und da Otto sich geschworen hat, dass er nicht mehr mit einer Mathe-Vier in der Welt herumlaufen will, lässt er sich darauf ein. Bekommt individuell zu seinen Lücken Aufgaben, die er dann selbstständig lösen kann. Und wenn er Fragen hat, kann er ja jeden Mittag an der Akademie vorbeikommen. Da können kleine Fragen wunderbar geklärt werden. Für die richtig großen fetten Fragen, die nicht im Vorbeilaufen zu lösen sind, kann sich Otto einen Coach buchen. Da sind wir wieder bei dir angekommen. Also quasi ein Jobangebot auf Abruf. Wenn der Kunde da ist, ist der Job da. eMail oder SMS. Spontan digital gefragt. Ganz individuell. Vierzig Minuten. Mittagspause. 5 Euro.

Die Diagnose selbst ist erfolgsorientiert. Wenn die nächste Arbeit drei und besser ausfällt, wird Otto ohne mit der Wimper zu zucken, fröhlich seine 10 Euro einzahlen. “Billiger als jede Nachhilfe,” wird Otto sagen. Bleibt die Note im Viererbereich und schlechter, hat Otto immerhin den Trost: “10 Euro gespart!” Für zwei Euro nimmt er auch noch den kleinen Akademie-Helfer mit. “Nie mehr schlecht in Mathe” steht auf dem Einband. Autoren: Die pädagogischen Zauberer von der MAaF. Die nie müde werden, zu behaupten, dass, wer in Mathe stabil läuft, auch in Physik stabil laufen kann, wenn er das will. Oder sie. Und wenn alle Ottos vom Faust – und natürlich auch alle Ottilien- ihre Mathe- und Physik- Fünfer gegen Mathe- und Physik-Dreier eintauschen würden, dann würde am Faust fast niemand mehr sitzenbleiben und die Direktoren der Akademie wären stolz wie Oskar. Und die Dozenten und innen natürlich sicher auch.

Mit heftigen mathematischen Grüßen

Tobias Illner, Benjamin Zürn, Heinz Bayer

Direktorium der Mittagsakademie am Faust.

p.s. Später werden wir auch Englisch Diagnosen und dann Deutsch Diagnosen anbieten. Aber erst, wenn wir die Mathematik gerockt haben.

Bei Interesse, in die Dozenten-Kartei zu kommen, einfach einen Zettel mit Name Klasse und eMail-Adresse in an der Mittagsakademie abgeben.

In der Praxis gibt es jetzt natürlich schon viele kleine Veränderungen. Aber jetzt sind Sie zumindest mal wieder von unserem neuen Arbeitsfeld informiert.

Ganz neu übrigens im Flügelprogramm: Die Gustav-Helene-Schule.

14. Juni 2013

Brief an Ex-Schulsprecher/innen

Abgelegt unter: Schulpolitik — heinz.bayer @ 19:52

Mensch ihr ehemaligen Faust-Schulsprecher/innen.

Auf eure aktuellen Nachfolger/innen könnt ihr sehr stolz sein. Eben auch heute noch “faust” wie ihr damals. In einer Zeit, in der Politiker meinen, man könne doch einfach an den wenigen übriggebliebenen Trüffelstunden auch noch sparen. Ohne die hätte es eure ganzen Projekte und außerunterrichtlichen Aktivitäten nie gegeben. Faust 2013/14 sogar ohne Theater, ohne Chor? Ohne die vielen Möglichkeiten des Aktivseins? (Genaueres im letzten Blogbeitrag.) Undenkbar für mich. Das Faust ohne Faust. Und deshalb meine Bitte an euch, für ein faust-aktuell-spezial, das ich gerne nach Stuttgart schicken würde. Ein Statement einer jetzigen Schulsprecherin eingerahmt von vielen Ehemaligen-Statements, warum es aus eurer heutigen Sicht für euch so wichtig war, damals diese typischen Faust-Möglichkeiten gehabt zu haben. Vielleicht könnt ihr ein wenig dabei mithelfen, Rot-Grün zu überzeugen, wovon ich immer noch denke, dass Sie es nicht wirklich wissen, welch extrem wertvollen Stunden sie im Moment streichen wollen. Am Montag gibt es in Freiburg eine Faust-Schülerdemo in Freiburg. Die gerade natürlich auch andere Schulen in Ihren Bann zieht. Facebook sei Dank. Hätte gerne bis dahin möglichst viele kurze Statements von euch – oder auch nur einen prägnanten Satz als Grußwort für die Abschlusskundgebung. heinz.bayer@fgst.de

Tausend Dank und bunte Grüße vom Faust. Der Heinz.

13. Juni 2013

Finger weg von den Trüffelstunden

Abgelegt unter: Schulpolitik — heinz.bayer @ 21:09

Ein offener Brief an meinen obersten Dienstherrn

Sehr geehrter Herr Kultusminister

Noch ist es ja nicht amtlich. Noch kann die Regierung ja gemachte Überlegungen nachbessern. Ich weiß, Schule im tagtäglichen erfolgreichen Arbeiten wirklich zu verstehen, wenn man selbst nicht Lehrer ist, ist extrem schwierig. Weil jeder Mensch Schule sehr intensiv und sehr individuell in sich trägt. Und diese Bilder lebenslang nie aus sich heraus bekommt. Weil jeder mal Schüler war und einen Betrieb wie die Schule immer mit den Augen einer Schülerin oder eines Schülers in sich abgespeichert hat. Seine eigene Umstellung von Kind zum Erwachsenen steckt in diesem Bild, das niemals von sich aus objektiv sein kann. Und dann sieht man unseren Betrieb später durch die Brille einer Mutter oder eines Vaters oder durch die Augen eines Politikers. Das kann, übrigens ohne jeglichen Vorwurf, ebenfalls nicht wirklich objektiv sein. Nur so kann ich mir erklären, wie ein Politiker Lehrer, die in wichtigen Punkten ihren Dienstherrn kritisieren, als Heulsusen bezeichnen kann. Ich habe mit einer echten Auseinandersetzung kein Problem. Deshalb würde ich gerne im Moment ein wenig Betriebsinnenansicht betreiben. Klar, die wenigsten sehen die Schule natürlich mit den Augen einer Betriebsleitung. Deshalb glaube ich, dass im Moment vielen Verantwortlichen außerhalb der Schule gar nicht so wirklich klar ist, an welchen extrem wichtigen Deputatsstunden im Moment der Haushalt saniert werden soll und warum diese scheinbar kleinen Streichungen solch eine riesige Auswirkung haben würden, sollten sie tatsächlich kommen. Ich kann da übrigens noch immer nicht dran glauben. Ehrlich. Dass eine Regierung, die ich mitgewählt habe, weil ich gedacht hatte, dass sie es fertig bringt, Schule so zu verstehen, wie ich sie gut finde, an einer Stelle sparen will, wo es für mich so hanebüchen ist, dass ich echt fassungslos bin. Wir reden – für alle Mitlesenden – übrigens von einem Prozentsatz von sagen wir mal 1% vom Gesamtdeputatsaufkommen unserer Schule. Kleinvieh macht auch Mist, denkt da sicher so mancher. Wir sprechen von einem Gebiet, das man in Amtssprache als Ergänzungsbereich bezeichnet. Seit vielen, vielen Jahren schicken wir als aktive Schule immer mal wieder ernsthafte Briefe ans Kultusministerium, um darum zu kämpfen, mehr Deputatsstunden speziell für diesen Bereich Schulen zuzuordnen. Das sind für uns keine laschen kleinen anzahlmäßig zu vergessenden lächerlichen paar Deputatsstunden, sondern Gold-und-Perlen-Stunden, Stammzellen-Stunden, Powerpaket-Stunden, Entwicklungszauberstunden, Aus-1-mach-10-Stunden – ich denke man versteht, was ich meine. Als bei uns die letzte Deputatserhöhung durchgeführt wurde, kam aus Staufen die laute Bitte an Stuttgart, von diesen an einer Schule wie unserer mit der Erhöhung eingesparten 3 bis 4 Vollstellen doch eine halbe Stelle noch an der Schule zu belassen. Und zwar genau für diese so knapp bemessenen Trüffelstunden. In den letzten Jahren haben viele Schulen das Kunststück fertiggebracht, die kontinuierliche Reduktion dieser Schulgestaltungsstunden  so wegzustecken, dass trotzdem individuelle Schulentwicklung möglich war. Als ich als junger Lehrer 1979 anfing, hatte das Faust-Gymnasium bei den Herzblut-Stunden noch einen Faktor 2,5 mal Anzahl der Klassen. Bei uns also etwa 120 Stunden. Wir haben AGs angeboten, dass es eine Freude war. Heute liegt der Faktor bei 0,5. Offizielle AGs mit bezahlten Kolleg/innen können wir uns jetzt nur noch beim Chor und beim Theater leisten. Mit einer jahrzehntelangen Musiktradition und einer exzellenten Theatertradition haben wir vielen späteren Leistungsträger/innen die nötige kulturelle bunte Farbe des echten Lebens mitgeben können. Mit einer aktiven Schülerprojektarbeit konnten wir in vielen Bereichen die Einsparungen bei den Schulentwicklungsstunden kreativ ausgleichen. “Aus der Not eine Tugend machen” hatten sich damals manche von uns gedacht. “Schülerschule” hieß unser Konzept, mit dem wir es geschafft haben, mit den paar Diamantenstunden als EXPO2000 Projekt international geadelt zu werden.  Wir hatten im Bereich der SMV und im Bereich der aktiven Schüler/innen angefangen, viele Möglichkeiten für Hochaktive zu schaffen, die nur rückendeckend betreut wurden. Die Fachleute der Zukunft schon an der Schule groß werden zu lassen, heißt dieses Konzept. Eine einzige Trüffelstunde gab es all die Jahre für uns damaligen Verbindungslehrer. 5-10 echte Arbeitsstunden haben wir sicher immer daraus gemacht. Mit Begeisterung und Lust, klar. Man muss uns also nicht nachträglich bedauern. Aber ohne diese Goldesel-Stunde glaube ich nicht, dass wir teilweise bis zu 10 Musikveranstaltungen im Jahr vorbereitet und gestemmt bekommen , eine stabile Musikszene aufgebaut und ein schuleigenes Tonstudio selbst finanziert und eingerichtet bekommen hätten. Allein die Schirmherrschaft von Frau Dr. Schavan für unseren EXPO-Auftritt – immerhin waren wir eine der wenigen öffentliche Schulen in Deutschland, die von der EXPO-Jury geadelt wurde – hätte uns garantiert nicht getragen. Ein Tausend-Dankeschön ist keine Trüffelstunde. Trüffelstunden sind Anerkennungsstunden, die man benötigt, um Schule vor Ort zu gestalten. Unser Konzept, aktiven Schüler/innen Gestaltungsraum zu geben, benötigt diese Raketenstunden. Diese Beschleunigungsstunden. Unsere EXPO2000 Projekt-Aussagen von damals gelten am Faust heute mehr denn je:

3% eines Jahrgangs sind innerhalb der Schule hochaktiv, wenn man ihnen eigenverantwortlich die Möglichkeit dazu gibt. Mit dem persönlichen Umfeld werden daraus 10% Aktive. Und 10% Aktive können das Bild einer Schule wesentlich verändern, wenn man dies zulässt.

Das Grundkonzept: Begreife die Fähigkeiten aktiver Schüler als Chance für eine lebendige Schule. Integriere die speziellen Interessen aktiver Jugendlicher, um den Lebensraum Schule zu optimieren. Erkenne die Profis der Zukunft, die schon in der Schule ihre Qualitäten preisgeben, so man sie lässt.

Gebt Jugendlichen maximal viele Möglichkeiten, sich zu begeistern, sich zu beweisen, sich einzusetzen, aktiv zu werden, selbst Inhalte zu finden, eigene Fähigkeiten zu entdecken, ernst genommen zu werden – dann habt ihr viel für die Zukunft getan.

Aber um solche Konzepte zu betreiben, benötigt man Verbindungslehrer/innen, die man zumindest mit einer Trüffelstunde ausstatten kann. Welcher Maschinenbauingenieur (das wäre ich übrigens beinah geworden, wenn mich die Schule am Ende nicht doch viel mehr gereizt hätte) käme auf die absurde Idee, eine innovative Idee für neue Hochleistungsturbine für seinen Konzern nebenher in seiner Freizeit zu entwickeln, aber dafür nur einen Händedruck von seinem Konzernchef zu bekommen.

Schule tickt hier auch nicht anders, muss allerdings unter erschwerten Bedingungen ihren Betrieb am Laufen halten. Betriebe stellen ihre Mitarbeiter nach Einstellungsgesprächen und Bewerbungen ein. Schule bekommt Mitarbeiter von einer Behörde zugewiesen (mit ganz wenigen Ausnahmen, die bei uns Jahre zurückliegen). Jeder Betrieb ginge pleite, wenn er Mitarbeiter nach Zuweisung einstellen müsste. Schule muss dieses Kunststück vollbringen. Die Trüffelstunden sind die einzige Steuerungsmöglichkeit für Schulleitungen, der eigenen Schule einen eigenen Stil zu geben. Mit den im Laufe der Jahre zugewiesenen Kolleg/innen einen guten individuellen Schulstil zu finden. Projekte ins Leben zu rufen, die zur Schule passen. Ich schildere einmal die Bereiche, die am Faust Trüffelstunden benötigen. Naturwissenschaftliche Sammlungsleitungen, Fachabteilungsleitungen, eine exzellente individuelle Oberstufenberatung, eine exzellente schuleigene Berufsberatung, eine durchdachte Suchtprävention, eine große Streitschlichtertradition, ein Tonstudio samt Jugend-Musikszene, ein hochaktives Verbindungslehrerteam, eine Vielzahl von Austauschprogrammen, eine gute Pressearbeit, ein innovatives Hausaufgabenbetreuungskonzept, viele Beratungs- und Unterstützungskonzepte und und und … Faust ist bunt, vielfältig und aktiv. Seit ich denken kann. Wir haben viele Klippen gemeistert. Aber wir hatten offensichtlich trotzdem immer noch Zuspruch vom Oberschulamt und dem späteren Regierungspräsidium, doch irgendwie am Ende mit viel Ringen um die gute Schulkultur noch ein paar Trüffelstunden für das Faust aus einen Topf zu bekommen. Jedes Jahr auf’s Neue: Daumen drücken. Auf Holz klopfen. Gut verhandeln. Jetzt scheint echter Trüffelstundenkahlschlag angesagt. Rasenmähermethode. So zumindest wirkt es auf uns. Die Faktor 0,5 Trüffelstunden stehen zur Disposition. Und die Daumendrück- und Holzklopf-Trüffel, die früher möglicherweise durch Überzeugungsarbeit aus doch irgendwo noch vorhandenen Töpfen von höherer Stelle “geduldet” verwendet werden durften, die tauchen in der Statistik einfach nicht mehr auf, weil es sie ja rechtlich zugestanden gar nie gab. Schulen, die nie um den Trüffel gerungen haben, merken das Streichkonzert vielleicht gar nicht so heftig. Für das Faust, das sage ich aus voller Überzeugung, ist das Streichkonzert der Trüffelstunden eine echte pädagogische Katastrophe. Für einen Fachabteilungsleiter, der für Entwicklung einer Schule mit weit über 1200 Schüler/innen und 120 Kolleg/innen verantwortlich zeichnen soll, ein Schlag ins Gesicht.

Ich werde später im Flügelverleih-Blog an diesem Thema konstruktiv weiterschreiben, will aber an dieser Stelle schon einmal einen ersten praktischen Vorschlag einbringen. Wenn es der rot-grünen Regierung um die Stärkung der Bildung geht und nicht nur um das reine Sparen und davon gehe ich eigentlich immer noch aus, dann muss bei allem Verständnis für die Probleme bei der Haushaltskonsolidierung z.B. ein dringender Schritt gemacht werden. Die Regierungspräsidien müssen Deputatsstunden für die anstehenden Umstrukturierungs-Prozess zu bekommen. Eine Vollstelle für den Übergang. Möglichst Trüffelstunden für aktive Mitarbeiter/innen, die es als persönliche Herausforderung ansehen, trotz dem angesagten Sparen mit den einzelnen Schulen ins individuelle Gespräch zu kommen, um zu vermeiden, dass der Rasenmäher die aktivsten Schulen pädagogisch an die Wand fahren lässt. Der Sparzwang auch an der uns vorgeschalteten Behörde degradiert diese zur reinen Deputatsstundenverwaltungsbehörde ohne jegliche Möglichkeit, Lehrereinstellungen und Deputatszuweisungen als innovatives Schulentwicklungsinstrument zu verwenden. An der Basis haben wir das Gefühl, von denen, die uns eigentlich unterstützen könnten, vollkommen verlassen worden zu sein. Auch das kann Rot-Grün niemals wollen. Sie merken, ich bin noch voll blauäugiger Hoffnung.

Mit freundlichen Grüßen aus Staufen

Heinz Bayer

Fachabteilungsleiter für Schulentwickung

Leiter de Nachmittagsschule

p.s. Einer unserer Schulsprecher hat vor vielen Jahren für unsere schüleraktiven Konzepte das “Prinzip Kaktus” erfunden. Der Kaktus benötigt nur wenig Wasser und Pflege, wächst auf kargem Boden, um am Ende trotzdem sehr viel Substanz zu entwickeln. Jetzt habe ich das Gefühl, unserem Kaktus wird auch noch der karge Boden aus Spargründen entzogen.

Sehr geehrter Herr Minister.

Das kann es nicht sein.

Für Insider hier vielleicht auch noch das letzte faust-aktuell zum Thema, falls noch nicht gelesen.

faust-aktuell-mai13

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