Flügelverleih meets Hattie

28. April 2011

Besser Kahn als Nussschale

Abgelegt unter: Schülerschule — heinz.bayer @ 07:48

UWC in Freiburg – United World College – wunderbare Angelegenheit. Finde ich.  Junge aktive Menschen aus der ganzen Welt zwei Jahre lang in einer internationalen Schule zusammen zu unterrichten, in der sich das Meiste ohne die lästige Bremse dieser so häufigen „Schule ist doch blöd“-Idee abspielen darf. Nicht, dass dort die Lehrer so wirklich anders sein werden. Denn man wird sie aus dem vorhandenen Lehrerpool holen. Wie das die anderen Schulen genauso machen. Klar: Bewerbergespräche werden mehr geführt als an anderen Schulen. Aber das wird nicht prinzipiell das Entscheidende sein. 200 junge Menschen werden ausgewählt werden, vielleicht aus 1000 Bewerbern heraus oder aus 3000. Egal: Die jungen Menschen haben ein Ziel. Haben sich beworben. Wollen mitnehmen, was mitzunehmen ist. Werden kein Feindbild Schule haben, das so viele Menschen ihr ganzes Leben lang mit sich herumtragen und deshalb alle Witze, die Lehrer schlecht wegkommen lassen, großartig finden. Nein, bei UWC wird Schule als Ort der tausend Möglichkeiten zurechtgerückt. Da werden junge Menschen aufgenommen, die wir auch am Faust natürlich gut kennen. Denn bei uns darf man als aktiver junger Mensch viel tun, wenn man etwas tun will. Das ist unser Markenzeichen. Die meisten machen ihr Abitur. Genießen, dass es andere gibt, die etwas für sie auf die Beine stellen. Dass das Faust dadurch als aktive Schule dasteht. Das ist ok so. Menschen sind sehr unterschiedlich und die Wenigsten sind Macher. Aber 3% – seit Jahren – oder vielleicht 5% – können Schule am Faust aus eigenem Antrieb ganz anders sehen. Sich einsetzen und genießen, was sie damit bewirken können. Hochaktive nennen wir diese 3%. Das wären die Kandidaten für das United World College. Leute, die die kleinen Problemchen des „Lehrer sind blöd und deshalb bringe ich nichts“ schon lange hinter sich gelassen haben und auf „ von jedem Lehrer die besten Aspekte mit einpacken und seine Schwächen nicht so wichtig nehmen“ setzen.

Die gibt es auch am Faust. Das sind junge Menschen, die früh reflektieren konnten, dass die über 10 000 Euro, die in sie in jedem Jahr aus Steuergeldern gesteckt werden, als Antwort kein: „Schule ist aber blöd“ verdient hat. Wenn Sie ein Kind in der 5. und 6. Klasse haben, dann können Sie viel dazu beitragen, dass es auch noch in der 8. Klasse Schule spannend findet. Nehmen Sie die Person des Lehrers aus der Dauer-Diskussion heraus. Ich weiß: Das ist immer am einfachsten und es stimmt natürlich, dass die Person des Lehrers und die Lernbereitschaft Zusammenhänge aufweisen. Dass aus einer Drei beim einen Lehrer eine Zwei beim anderen Lehrer werden könnte. Nur: Das bringt nichts, dieses Wehklagen über die Lehrer. Zumindest nicht für die Noten und die aktuelle Ausbildung Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes. Deshalb: Unterstützen Sie Ihr Kind auf dem Gebiet von: Selbst wenn ich einen Lehrer blöd finde, kann er mir trotzdem viel beibringen. Wenn ich ihn schon blöd finde, dann lerne ich jetzt, mehr auf mich selbst zu schauen. Man muss das Bild des eigenen Schwergewichts in den Kopf bekommen. Möglichst früh. Lehrer sind wie Wasserwellen. Als leichte Nussschale wird man hin-und hergeworfen, als schwerer Kahn machen einem die Wellen keine Sorgen. Die jungen Menschen, die sich beim United World College bewerben werden, „müssen keine Einserschüler sein, aber Engagement und Begeisterung mitbringen.“ sagt Jens Waltermann, Chef der Deutschen UWC-Stiftung. Also mehr Kahn als Nussschale sein.

Auch am Faust sollte man darauf setzen.

21. April 2011

Essen und Lernen

Abgelegt unter: Ernährung — heinz.bayer @ 20:17

Schon mal drüber nachgedacht, wie viel die Ernährung für’s Lernen ausmacht?

Es ist eine echte Wissenschaft. Die richtige Ernährung für Ihre Tochter oder ihren Sohn, damit sie oder er einfacher lernt. Als Wissenschaft würde ich das jetzt natürlich nicht betreiben. Nur dem gesunden Menschenverstand folgen. Fast Food ist definitiv schlecht für den Lernprozess. Wenn Sie aber sehen würden, wie viele Schüler/innen sich mit dem Mittagessensgeld  mit Chips, Pizza, Cola, Süßkram aller Art und anderen wertvolle Nahrungsmittel versorgen, dann wissen Sie, warum es gut ist, dass Sie jetzt in unserer Cafeteria über das Bestellsystem bei der Firma Zahner positiven Einfluss nehmen können. Wie Sie den Chip aufladen können, steht in den Unterlagen, die Ihr Kind mit heimgebracht hat.

Überzeugen Sie Ihr Kind. Machen Sie ihm klar, dass kein Spitzensportler darauf verzichten würde, durch die richtige Nahrung die optimale Leistung zu erreichen. Das sollte man auch als Profischüler tun. Besser essen und weniger lernen müssen, das sollte eigentlich jedem einleuchten. Sollte. :-) Wundervolle Feiertage. Wünsche ich.

Und wenn Sie schon beim Essen sind, reden Sie doch mal drüber.

18. April 2011

Verrückte Zeiten

Abgelegt unter: Allgemeines — heinz.bayer @ 08:26

Wirklich verrückt. Hätte mir vor 17 Jahren, als ich den ersten Computer gekauft hatte, lange bevor Internet ein echtes Alltagsinformationsquelle wurde, jemand gesagt, dass ich einmal in facebook ehemalige Faustler um mich schare – Alumni spezial - oder gar wöchentlich einen pädagogischen Blog schreibe und meinen Spaß daran habe – hätte das mein Deutschlehrer damals gewusst / ihm waren meine Sätze oft zu kurz oder zu lang – dann hätte ich dem jemand den Vogel gezeigt. Unvorstellbar damals. Dass ich jetzt sogar in diesem vielgelesenen Blog meine Töchter beim Promoten einer Kollektion ihres Labels Scylla und Charybdis mit einem Link unterstützen kann, indem ich meinen Lesern einen solchen zum Voten bei einem internationalen Wettbewerb in den Blog stelle http://garmz.com/u/W5fWA, damit diese Leser, falls ihnen meine Sätze nicht zu lang erscheinen wie immer meinem Deutschlehrer und ihnen die Mode meiner Töchter auch noch gefällt, dort facebookmäßig voten können oder auch anders, das ist schon einfach verrückt. Total verrückt. Wirklich. Ich finde natürlich die Mode meiner Töchter ganz wundervoll. Klar doch. Ich wünsche Ihnen übrigens ganz wundervolle Ostern. Ihr Heinz Bayer

16. April 2011

Osterferien.

Abgelegt unter: Späßchenmacher — heinz.bayer @ 16:15

Verdient? Ja, Ihre Kinder haben ganz schön viel gearbeitet. Gut gearbeitet. Über dem Fünferhaus liegt ein kleiner Zauber. Auch Lehrer/innen, die dort nicht direkt arbeiten, schildern die jetzigen Fünfer als irgendwie besonders. Die Noten stimmen. Die Lernbereitschaft ist bei den Allermeisten sehr groß. Klar, wenn man in einem eigenen kleinen Stufenhaus ins Faust hineinwachsen kann, dann hat man wahrscheinlich schon dadurch den Vorteil, die sonst oft vorherrschende „Schule ist blöd“ Mentalität älterer Schüler nicht so stark mitzubekommen. Und gleichzeitig die ganze Stufe als Lebensraum zu empfinden. Damit stark zu werden. Wenn man dieses Gefühl halten könnte, wäre alles gegessen. Wir werden deshalb ja auch im nächsten Jahr mit den Fünfern aus dem Fünferhaus ins Sechserstockwerk ziehen. Die Idee ist schlicht: Schule darf im Kopf nicht blöd sein. Trotz Klassenarbeiten, Noten und manchmal auch notwendigerweise strengen Lehrern. Dann fällt Lernen leicht. Dann ist Nachhilfe ein Wort, das nur in Ausnahmefällen notwendig ist. Die Osterferien können Sie als Eltern übrigens gut nutzen, mental auch in diese Richtung zu arbeiten. Die beiden Hausaufgabenhefte sind voll von Visualisierungen, die Stoff genug bieten, auch im Schwimmbad oder im Urlaub entspannt in die Richtung „Schule bringt’s“ zu arbeiten. Sie tun ihren Kindern etwas richtig Gutes, wenn Sie ihnen noch vor der Pubertät auf die richtige ernsthafte Schiene dem eigenen Job als Schüler/in gegenüber helfen können. Beziehungsweise dabei helfen, diese Schiene zu stabilisieren, wenn sie schon richtig gut vorhanden ist. Es gibt genügend Schüler/innen, hauptsächlich Jungs, die Schule schon in der 5. Klasse als lustige Bühne für Späßchenmacher sehen und sich das auch gut leisten können, weil ihr Grundschulwissen noch trägt. Die aber nach zwei, drei Jahren Späßchenbühne mit großen Publikum – und dann selbst auch noch vollpubertär – keinen wirklichen Spaß mehr an Schule haben. Speziell für sie wäre es gut, früh mental als Eltern zu unterstützen. Die offenen Schule heute, mit der hohen Anforderung an eigenständiges Arbeiten, ist für so manchen eine echte Herausforderung. Mein pädagogischer Tagtraum ist es immer noch, die 28 größten Späßchenmacher/innen unserer fünf 5. Klassen zu einer eigenen Klasse zusammenzufassen, dort einen viel enger geführten und stark reglementierenden Unterricht der alten Schule anzubieten und ihnen damit einen richtig großen Gefallen zu tun. Und den anderen vier Klassen damit ebenfalls, weil die Späßchenmacher/innen ja gleichzeitig das größte Störpotenzial bei der offenen Schule sind. Aber das ist natürlich nur ein Tagtraum, der nicht bezahlbar ist, weil er mehr Lehrerdeputate benötigen würde. Und Räume. Wir setzen am Faust deshalb zumindest auf  individuelle Betreuung Einzelner in verschiedenen Formen. Und ab einer bestimmten Altersklasse auf den eigenständig denkenden Kopf der jungen Menschen selbst. Deshalb auch das Osterferienprogramm für Versetzungsgefährdete. www.maennerrevolte.de

7. April 2011

Stufenpädagogik

Abgelegt unter: Stufenpädagogik — heinz.bayer @ 19:57

Fünferhaus. Was erzähle ich Ihnen denn heute? Ich plane in diesem Blog die Themen übrigens gar nicht. Was mich in dem Moment bewegt, wenn ich am Schreiben bin, bekommen Sie erzählt. So einfach ist das.

Unser Fünferhaus-Konzept, stufenweise junge Menschen zusammenzufassen, scheint wirklich gut aufzugehen. „…Vielen Dank für die ganz und gar wunderbare Idee des Fünferhauses und ihre tolle Umsetzung! Meine Tochter fühlt sich wirklich überaus wohl im Wohlfühlhaus und wir Eltern mit ihr. Ein ganz großes Danke an das ganze Fünferhausteam!“ habe ich gestern in einer Mail an unser Team gelesen.

Klar. Viele Reformschulen haben das schon lange vorgemacht. Stufenpädagogik. Das ist keine Erfindung von uns. Aber wir sind ja keine Reformschule. Wir sind „nur“ ein ganz normales staatliches südbadisches Gymnasium. Mit einer kleinen Idee der speziellen Jahrgangsbetreuung. Mit einem Menschenbild, das Menschen auch in jungen Jahren wertschätzt. Wie ich das meine mit dem Wertschätzen? Ich habe heute Abend ein Mail bekommen, in dem mir ein früherer Schüler meiner vorvorvorletzten fünften Klasse als Klassenlehrer, bei dem in der Unterstufe viele gezweifelt hatten, ob er Gymnasium überhaupt schaffen würde, ein Photo aus seiner Lufthansapilotengruppe geschickt hat. „Hier ein kleines Foto direkt aus Frankfurt. Sozusagen als Update! Hoffe auf dem Faust läuft alles, wie es sollte und das erste Doppel-Abi ist gut über die Bühne gegangen!“ schreibt er. Er fing an, in der 9. Klasse nach einem sehr pubertären Mittelstufenbeginn, den Schalter umzulegen und in der 11. Klasse dann richtig durchzustarten. Er war als Schulsprecher und Aktivist in vielen Bereichen überall an der Schule zu finden und hat dann schon vor dem Abitur den Zuschlag für seine Traumausbildung „Lufthansapilot“ bekommen. Will man mehr, wenn man Schüler auf ihrem Weg in die spätere Berufswelt ein paar Jahre betreut? Wenn man ihnen an der Schule neben der qualifizierten Fachausbildung auch noch eine breite zusätzliche Angebotspalette von Möglichkeiten für die eigene Entwicklung bieten kann? Heute Mittag war ein ehemaliger Schüler im Flügelverleih, damals Streitschlichter, Coach, Schülerbüroaktiver, Organisator etc. – Hans Dampf in allen Gassen. Er wollte nur melden, dass er seinen Traum-Studienplatz in den USA bekommen hat. Samt Stipendium. Hat gestrahlt, dass es mir vor Freude kribbelnd den Rücken hinunter lief. Er hat sich aus der rückblickenden Perspektive gefragt, warum es nicht alle so machen, wie er es gemacht hat: Die ungeheuer vielen Möglichkeiten des Faust für die eigene Zukunft zu nutzen. Eine große Frage am Nachmittag mitten im Fünferhaus.

Ich lasse sie einfach einmal so im Raum stehen.

Zurück blieb an diesem Abend das Gefühl: Man arbeitet in der Schule mit vielen großartigen Menschen zusammen, wenn man das Gespür dafür entwickelt. Wenn man das Wertschätzen junger Menschen zur Grundlage macht. Fünferhauspädagogik zumindest. Dafür stehe ich.

1. April 2011

Schubladen

Abgelegt unter: Entwicklung, Menschenbild, Noten — heinz.bayer @ 22:12

Ja, in Zeiten des Abiturs macht man sich als Altgedienter immer so seine Gedanken, wie Schule eigentlich heute läuft und wo falsch gedacht wird. Wo man nachbessern kann und wo von Menschen außerhalb der Schule die typischen Schubladen über dieselbe gezogen werden.

Eine der wichtigsten Schublade ist: „Der Lehrer hat mir das Fach vergrault, weil er mich nicht motivieren konnte. Deshalb bin ich so schlecht.“ Sie kennen den Satz aus der Tiefe der Erinnerung von sich selbst. Garantiert. Wenigstens von irgendeinem Fach. Ich nenne das die kleine Ohnmacht, die Schule bei den meisten Menschen hinterlässt. Weil wir Menschen auf ein System von jahrelangem benotet werden evolutionsbedingt überhaupt nicht eingestellt sind. Und weil wir Schule nicht so individualisiert betreiben können, dass man Noten nur als Orientierung benötigt, die man gerne bekommt, um zu sehen, wie man sich weiter verbessern kann. In so einer Klasse mit 30 Schülern sitzen ja einfach junge Menschen zusammen, die mit 13 Jahren einen Entwicklungsunterschied von bis zu 7 Jahren haben können. (Largo 2009). Wenn man Noten wirklich als absolutes Maß nimmt, dann benachteiligt man alle, die einfach erst später bestimmte Fähigkeiten erringen. Ich beschreibe das gerne mit folgendem Vergleich.

Wenn man ein Baby benoten würde, wie es sich bis zum Laufen hin entwickelt, dann würde das eine Baby bis zum früheren Laufen wie das andere dauernd mit guten Noten in der Welt herumkrabbeln, während man dem anderen dauernd dokumentiert, wie schlecht es ist. Wenn man die beiden immer zur selben Zeit mit dem selben Maßstab „prüft“. Dabei ist der, der später krabbelt, vielleicht später der bessere Läufer. Muss nicht sein, aber kann. Keiner kommt ja auf diese verrückte Idee, Babys zu benoten. Aber sobald die Schule losgeht, fängt das Spiel an. Eigentlich müsste man uns Menschen sehr verschieden einschulen – und das auch noch in den verschiedenen Fächern unterschiedlich. Weil auch da die Entwicklungsalter Gleichaltriger unglaublich auseinander klaffen. Das geht natürlich nicht. Außerdem würden sich Eltern von Jungen gewaltig dagegen wehren, wenn man ihnen eröffnen würde, dass aus Gerechtigkeitsgründen Jungs ab sofort zwei Jahre später eingeschult würden, damit man im Gymnasium die Unterschiede zu den Mädchen auf diese einfache Art abbauen würde. Weil es ja auch nur für den Durchschnitt gilt. Es gibt natürlich auch Jungs, die weiter entwickelt sind als gleichaltrige Mädchen. Aber im Schnitt liegen die Mädchen einfach vorne. Das war früher in den viel strengeren Schulen mit nicht so selbstbewussten Mädchen kein erkennbares Problem für die Jungs. Heute schon. Deshalb: Die Noten unter diesem Aspekt sehen hilft schon mal ein wenig. In dem Anfangsreferat für unsere Versetzungsgefährdetenbetreuung habe ich das für die Schüler/innen, die aus besagten Gründen hauptsächlich Schüler sind, so formuliert:

Das Entwicklungsalter eines Menschen ist nicht sein Lebensalter, sondern weicht immer davon ab. Nach Prof. Dr. Largo, einem Schweizer Kinderarzt, im Alter von 7 Jahren um eineinhalb Jahre „nach vorne und nach hinten“. Da sitzen also schon in der Grundschule junge Menschen zusammen, die einen Entwicklungsunterschied von 3 Jahren aufweisen. Trotzdem sind das aber einfach Siebenjährige in einer 2. Klasse, denen man den Entwicklungsunterschied nicht ansieht. Sie werden alle mit den gleichen Kriterien benotet. Klar. Wie auch anders. Niemand kennt genau sein Entwicklungsalter. Denn man weiß ja nie wirklich, ob es mangelnde Fähigkeit, mangelnde Aufnahmefähigkeit oder einfach spätere Entwicklung ist, wenn ein Kind nicht die guten Noten schreibt, die es so gerne sehen würde.

Später wird es noch extremer. Da sitzen lauter junge Menschen im gleichen Lebensalter von 13 Jahren in einer Klasse und doch kann es sein, dass da ein Junge mit einem Entwicklungsalter von achteinhalb und ein Mädchen mit einem Entwicklungsalter von 16 Jahren nach denselben Kriterien beurteilt und benotet werden. Siebeneinhalb Jahre Unterschied. Klar, das wäre ein Extremfall. Aber ich hoffe, man versteht spätestens hier, dass der Ruf nach Möglichkeiten des individuellen Lernens eine sehr ernste Grundlage hat.

Da schreibt ein Mensch mit hohem Mathematikverstand, aber späterer Entwicklung, nie besser als die Note 4, ist frustriert, glaubt nicht an sich und merkt nie, welche Fähigkeiten er mit sich herumträgt, weil alle immer gemeint haben, er sei zu blöde für Mathematik.

Noten sind Wegweiser. Mehr nicht. Das muss man hinbekommen. Es gibt leider noch kein Gerät, das einen unterscheiden lernt zwischen verzögerter Entwicklung und mangelnder Fähigkeit. Was bleibt ist nur eines: Auch mangelnde Fähigkeit kann man mit guter Arbeitshaltung wundervoll ausgleichen. Wenn man es kann. Deshalb muss lernen, es zu können. Man muss lernen, es zu wollen.

Noch komplexer wird es bei Feinuntersuchungen: Vergleicht man zum Beispiel Otto und Erwin, dann findet man zwei Jungs im Alter von 10 Jahren, bei denen die Sprachentwicklung um über 3 Jahre auseinanderklafft. Dass Otto die schlechteren Deutschnoten bekommt als Erwin ist klar. Obwohl Otto, wenn er mit 32 seine Doktorarbeit schreibt, von diesem „Mangel“ nichts mehr besitzen wird,wenn er nicht vorher aufgibt. Erwins Sozialverhalten ist dafür im zarten Alter von 10 Jahren noch um 4 Jahre hinter dem von Otto zurück, obwohl Erwin später vielleicht einmal Sozialarbeiter wird. Was sich in der Schule eigentlich nie jemand vorstellen konnte. Deshalb: Hände weg von Prognosen, was einmal aus Schülern wird. Speziell bei Jungs. Und bitte niemals von Noten auf spätere Erfolge oder Misserfolge schließen. Da liegt man sehr häufig weit daneben. Noten nur als Wegweiser nehmen, das ist die einfachste Möglichkeit.

Wer die Diagramme dazu sehen will, muss sich das Anfangsreferat als pdf herunterladen.

Fazit: Schule ist einfach ungerecht. Aber nicht wegen den Lehrern. Die sind viel besser als ihr Ruf. :-)

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