Flügelverleih meets Hattie

31. Mai 2012

Skypeschule

Abgelegt unter: Ferienschule — heinz.bayer @ 19:44

Skypeschule

Ja, wir sind gespannt, ob es klappen kann, durch ein spezielles Angebot unsererseits den einen oder die andere unserer Versetzungsgefährdeten aus der Lernreserve  zu locken. Vielleicht klappt es ja auch wie im letzten Jahr bei einem jungen Franzosen aus dem Elsass, der uns zum Schuljahresende begeistert gedankt hat, dass er mit unseren Visualisierungen sein Versetzungsziel erreicht habe. Man muss also nicht am Faust sein, um vom Faust und dem Flügelverleih zu profitieren. Aber klar, wer uns persönlich kennt, der hat es natürlich einfacher, sich auf unseren Ansatz einzulassen.

Oben das Ferien-PDF für den Versuch einer weiteren Lernmotivation.

25. Mai 2012

Pfingstferien…

Abgelegt unter: Turbowochen — heinz.bayer @ 11:53

…sind für manche Schüler/innen gut zum Aufholen da. Wir haben letzten Mittwoch alle Versetzungsgefährdeten am Faust eingeladen, nachdem wir bei den Lehrer/innen nachgefragt hatten, wie der Stand der Noten ist. Seit 5 Jahren praktizieren wir dieses “klammheimliche” Betreuungsprogramm rund um den Flügelverleih mit einer wachsenden Zahl von Betreuungspersonen. Erfolgreich, wie wir denken. Unsere Sitzenbleiberquote ist seither recht niedrig. Das Programm heißt in diesem Jahr “Die Notbremse ziehen” und ist für die Schüler/innen unter www.maennerrevolte.de einzusehen. Ja es sind einfach zum großen Teil “Männer”, die wir vor dem Sitzenbleiben retten wollen.

Zusammen mit unserem Konzept “den Bahnhof verstehen”, unserer spontanen Nachhilfeschule innerhalb des Flügelverleihs, die sehr gut genutzt wird, sind wir eigentlich recht zufrieden mit unserer Arbeit. Zum Bahnhof kommen tatsächlich junge Menschen, die wirklich etwas lernen wollen. Ein wundervolles Gefühl. :-)

18. Mai 2012

Ecuador – die Erste

Abgelegt unter: Außensicht — heinz.bayer @ 22:35

Liebe Leser/innen

Ich habe einen für mich wichtigen Faust-Schüler des letzten Abijahrgangs gebeten, Schule und Faust und Bildung einmal von einer speziellen Außensicht aus zu beschreiben. Lukas Heller arbeitet gerade in einem Sozialprojekt in Ecuador. Von dieser speziellen Sichtweise aus bekommt man immer wieder neue Selbsterkenntnisse über die aktuelle Bildungssituation der eigenen Schule. Deshalb liebe ich Erkenntnisse von Ex-Faust-Schülern, weil sie meist gut positiv relativieren können.

Also Ecuador und das Faust – die Erste:

Ecuador ist wirklich ein heftiges Kontrastprogramm zu Deutschland.

Noch einige Hintergrundinformationen zum ecuadorianischen Bildungssystem. Chancengleichheit existiert nicht. Innerhalb Ecuadors ist das „Chancengefälle“ enorm und im einiges größer als innerhalb Deutschlands und im deutsch-ecuadorianischen Vergleich noch einmal mehr. Ein auf dem Land lebender Ecuadorianer (vor allem ecuadorianisches Mädchen) wird generell eine schlechtere Ausbildung erhalten als in der Stadt ( Stadt-Land-Gefälle) und beide wiederum haben so gut wie nie die Chancen, die ein wo auch immer lebender deutscher Schüler hat. Das Arm-Reich- Gefälle innerhalb Ecuadors ist wohl noch einmal um einiges größer als die deutsch-ecuadorianischen Unterschiede. Ein nicht arbeitender Ecuadorianer sitzt auf der Straße ohne soziale Absicherung, ein deutscher erhält Sozialhilfe und das Lebensnotwendigste. Es gibt kaum Aufstiegsmöglichkeiten für Kinder geringverdienender Eltern, da weiterführende Schulen in der Regel kostenpflichtig sein. Es gibt durchaus Collegios (die einzige weiterführende Gesamtschule) die staatlich und damit kostenfrei sind.  Allerdings habe ich auf der letzten Klassenkonferenz gehört, dass diese Collegios nur 20er, 19er und 18er-Schnitte annehmen. Das entspricht einem Durchschnitt von besser als 1-2 im Abschlusszeugnis der 7. Klasse. Dazu kommt, dass ja wie in Deutschland auch Kinder aus sozial schwachen Familien aus vielfältigen Gründen seltener gute Durchschnitte nach Hause bringen: Genau die, die sozialen Aufstieg nötig hätten, denen wird er systembedingt verwehrt. Eine der Haupt- oder Realschule ähnliche Ausbildungsstätte existiert nicht. Ein leistungsunabhängiges Unterstützungssystem wie das BaFög in Deutschland scheint nicht zu existieren.

Physik wird erst ab der 11. Klasse gelehrt, das gleiche mit Bio und Chemie.  Nach dem Motto, dass man dieses Wissen ja nur braucht, wenn man das mal studiert, und dann ist es, falls Interesse besteht, auch wählbar. Allerdings fehlt dann genau das, was man logisches, strukturiertes Denken nennt. Es fehlt genau an dem, was sie im letzten Blogeintrag beschreiben: es fehlt an Kreativität, selbstständigem Denken, Zusammenhänge erfassen, mit Hintergrundwissen diskutieren. Meine andere Schwester hatte nicht EINE Stunde Bio, Chemie oder Physik in 13 Jahren. Auf einer guten Schule wird zwei Jahre vor Abschluss, also in der 11. Klasse in den Naturwissenschaften ungefähr das gelehrt: Physik (Kreisbewegung, gleichförmige Beschleunigung) Chemie (Wasserstoffverbindungen), Mathe (Graphensysteme, Kurvendiskussion, Mittelpunktsberechnung von Strecken). Wie viel mit diesen Informationen anzufangen ist, weiß ich nicht, es gibt natürlich Unterschiede in den Lehrplänen, tausend Schwierigkeitsgrade zum Beispiel in Graphensystemen, und ob die Schüler das tiefgründig verstehen weiß ich nicht. Aber es könnte als Anhaltspunkt dienen. Meine Schwester ( Er meint eine Tochter seiner Gastfamilie) ist gerade mit 13 Jahren in der 9. Klasse, das ist hier normal. Sie wird maximal 3 Jahre naturwissenschaftliche Ausbildung erhalten. In Mathe haben sie in diesem Jahr Rationale Zahlen, arithmetisches Mittel, Reelle Zahlen, Pythagoras, Flächenberechnung, Kreis, Volumen, Diagramme, Bruchrechnen, Wahrscheinlichkeiten. Kommt mir sehr ähnlich zum deutschen Lehrplan vor.

Also ich unterbreche hier einmal die Informationen von Lukas über ein Schulsystem in einem fremden Land, das natürlich genauso rationale Zahlen und den Herrn Pythagoras unterrichtet. (Was manchen Schüler/innen absurd und lästig vorkommt, ist einfach global anerkannt wichtig. Verrückt, aber stimmt einfach.) Wenn auch nur wenigen und ausgewählten jungen Menschen. Ohne das richtige Elternhaus keine Chance. Schon das finde ich sehr bemerkenswert. Das fällt bei uns schon lange niemandem mehr auf, dass jeder kann, der will. Also gut, die Vermögenden statistisch immer noch um einiges häufiger. Aber es ist trotzdem vollkommen anders. In Deutschland kann jeder, der Schule ernst nimmt, Schule machen. Wenn er dies will. Er kann auch höhere Schule richtig gut machen, wenn er Schule ernst nimmt und wirklich gut sein will und die intellektuellen Voraussetzungen dafür mitbringt. Egal ob er reiche oder weniger reiche Eltern vorzuweisen hat. Dass trotzdem die weniger reichen Eltern statistisch weniger Ehrgeiz in den Aufbruch ihres Kindes in die bunte, anstrengende, schillernde Bildungswelt aufbringen, das ist eine ganz andere Geschichte. Verglichen mit Ecuador versteht man das.

Am Ende seines Berichts steht im Bericht von Lukas eine ungewöhnliche Beschreibung von Luxus:

… Auf der einen Seite beruhigen: Um andere Länder steht es bedeutend schlechter. Unsere Ausbildungsqualität ist gut. Wir müssen uns unseres Luxus bewusster sein.

Auf der anderen Seite ermuntern: Wir haben alles, was wir brauchen, um diesen Luxus zu erhalten. Chancen erkennen und nutzen, speziell am Faust. Möglichkeiten ausschöpfen, uns der guten Ausgangsbedingungen bewusst werden, uns der behüteten Kindheit bewusst werden, mentale Einstellung ändern, Möglichkeiten wie Unterstützung, Durchlässigkeit, Qualität des Systems bewusst ausnutzen.  Was sich andere hart erkämpfen, ist uns von Geburt aus mitgegeben.

Dem habe ich im Moment nichts hinzuzufügen. Wir haben alles, was wir brauchen, um diesen Luxus zu erhalten. Chancen erkennen und nutzen, speziell am Faust.

13. Mai 2012

Ferienschule

Abgelegt unter: Ferienschule — heinz.bayer @ 06:36

Ja wir haben einmal herumgefragt. Coachs haben wir einige, die Lust hätten, Ferienschule zu machen. Ferienschule statt Sitzenbleiben. Das hätte was. Sitzenbleiben ist für viele so eine verrückte Sache. Man macht sich nie Gedanken, wie man das langfristig verhindern könnte und wenn es dann soweit ist, dann machen sich viele kaum wirklich Gedanken, ob man das Schicksal nicht doch noch abwenden könnte. Zum Beispiel durch Pfingstferienschule. Die könnte man sich auch selbst bauen. Aber wenn es eine reale gäbe, wäre da natürlich echt finnisch am Faust. Mal sehen, ob es schon in diesem Jahr so etwas gibt. Wir werden berichten.

5. Mai 2012

Die Notbremse ziehen

Abgelegt unter: Turbowochen — heinz.bayer @ 10:54

Schule kann man einfach immer weiterschreiten. Immer wieder die gleichen Muster, aber doch irgendwie immer anders. In jedem Jahr untersuchen wir um diese Zeit herum, wie viele Schüler/innen denn am Ende des Schuljahres versetzungsgefährdet sind. Nach den Halbjahresinformationen kann man ja schon sehen, wohin die Reise geht. Jetzt fragen wir bei den Lehrer/innen der Versetzungsgefährdeten den aktuellen Stand ab. Noch ist Zeit, die Notbremse zu ziehen. “Die Notbremse ziehen” heißt deshalb auch in diesem Jahr unser Projekt. Wie das geht? Wir laden alle Versetzungsgefährdeten zu einem Gespräch ein. Geben Tipps und machen Mut. Fordern zur Reflexion auf. Noch ist nichts verloren. Man muss kämpfen bis zum Schluss. Wie beim Fußball. Oder überhaupt erst einmal anfangen zu kämpfen. Viele stolpern ja einfach richtig verspult in eine Nichtversetzung. Geben viel zu früh auf. Kennen keine Konzepte. Haben keinen Plan. Der Druck, den eine wirklich bevorstehende Nichtversetzung auslöst, kann aber Wunder wirken, wenn man es schafft, nicht aufzugeben. Die daraus folgende Erkenntnis, dass man selbst so viel bewirken kann, wenn man schulisch aktiv wird, trägt oft weit über das Versetzen hinaus.  Das ist unsere Erkenntnis der letzten Jahre. Im Moment basteln wir auch noch an einer Pfingst-Ferienschule mit Lern-Coachs für Menschen, die ernsthaft die antobende ziehen wollen. Mal sehen, wieviele Schüler/innen wir in diesem Jahr “retten” können.

Hinter allem steckt immer nur eines: Man muss lernen, seine Ausbildung ernst zu nehmen. Schule Wert zu schätzen. Gerade hat ein ehemaliger Faust-Abiturient, der gerade sein soziales Jahr in Ecuador verbringt, einen passenden Blogeintrag zu diesem Thema verfasst. In Vergleichen wird oft sehr viel klar.

http://lukasinecuador.wordpress.com/2012/05/05/eine-pisa-studie/

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